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Wissenschaftsrat kritisiert Medienwissenschaften

03.06.2007, (RK)

Der Wissenschaftsrat hat den Medien- und Kommunikationswissenschaften in Deutschland ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. In Forschung und Lehre fehle die Systematik. Auch komme die Politikberatung hierzulande zu kurz.

Einem Bericht des Deutschlandfunk zufolge attestiert der Wissenschaftsrat den Medien- und Kommunikationswissenschaften in Deutschland eine nachgerade unwissenschaftliche Form der Beliebigkeit : Der gesellschaftspolitisch wichtige und von Studierenden  immer stärker nachgefragte Wissenschaftszweig treibe vielerorts Wildwuchs, stellt Peter Strohschneider, der Vorsitzende des Wissenschaftsrats fest.

Da immer mehr Studierende mit einem diffusen, medienorientierten Berufswunsch in die Studiengänge strömten, böten Fachhochschulen und Hochschulen in den letzten 10 bis 15 Jahren "unterstrukturierte Leipziger-Allerlei-Studien"
an.

Gleichgewicht von Technik und Geisteswissenschaft

Wolle die Kommunikationswissenschaft in Deutschland ihre Leistungsfähigkeit erhöhen und auf die kontinuierlich steigende Nachfrage nach akademischer Bildung in der Medienbranche antworten, so seien Forschung und Lehre neu zu strukturieren, empfiehlt der Wissenschaftsrat. Die sozial- und geisteswissenschaftlichen Elemente, aber auch informations- und ingenieurwissenschaftliche Komponenten von Studium und Forschung müssten dringend in ein sinnvolles Gleichgewicht gebracht werden. Module aus den technischen Fakultäten fehlten bislang in den eher geisteswissenschaftlichen Studiengängen, Technikern wiederum mangele es in der Regel an medientheoretischen Grundlagen des komplexen Fachgebietes.

Der Wissenschaftsrat kritisierte zudem das Fehlen eines systematischen Medienarchivs in Deutschand und empfiehlt die Medienwissenschaften auch als Ratgeber für die Politik: Am Beispiel der USA zeige sich, was für eine gewichtige Stimme dieser Disziplin in den think tanks zugestanden werde.

Bleibt zu hoffen, dass die Neuordnung der Medien- und Kommunikationswissenschaft geschieht, bevor man sich an die Beratungs- und Medienbudgets der Parteien, Stiftungen und Verbände macht.

(Quelle: DLF/IDW/PM)

Weitere Informationen unter www.wissenschaftsrat.de

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