Schon seit dem Wochenende wurde vorab diskutiert: Der Wissenschaftsrat hat heute seine Empfehlungen zur Verbesserung der Hochschullehre veröffentlicht. Nicht erst seit der Exzellenzinitiative drohte der Lehrbetrieb an deutschen Hochschulen etwas ins Hintertreffen zu geraten. Während die Hinweise des Hochschulrats einerseits ein positives Echo bekommen, werden auch viele kritische Nachfragen gestellt.
So ist es zwar schön den Zustand der "Lehre" an deutschen Hochschulen zu beklagen, es empfiehlt sich aber immer auch ein Blick in die Mitgliederliste des Hochschulrates. Dort sitzen neben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schlicht auch alle Kultusminister der Bundesländer. Dass diese jetzt über ein Zukurzkommen der Lehre klagen, stimmt etwas verwunderlich, hätten sie es doch schließlich in den letzten Jahren auch selbst in der Hand gehabt, hier steuernd einzugreifen.
Der Hochschulrat adressiert dabei an vier "Hochschulgruppen" Maßnahmen und Forderungen, die wir nachfolgend kurz wiedergeben:
- Lehrende: Weiterbildung und Fortbildung im Bereich Lehre
- Studierende: Verantwortung, Beteiligung, Eigenaktivitäten
- Hochschulen: System für Qualitätsentwicklung aufbauen, Betreuungsangebote, Leistungsanreize in der Lehre
- Fächer: Einrichtungen von Fachzentren zur Stärkung der Lehrqualität
Die Investitionen hat der Wissenschaftsrat am unteren Ende mit 1,1 Milliarden Euro pro Jahr angesetzt. Es folgen im Finanzierungsteil eher Wünsche und Hoffnungen - wie verläßlich das ist, bzw. inwieweit das berücksichtigt wird, ist das große Fragezeichen.
Was mir persönlich deutlich zu kurz kommt, ist ein Aspekt in Bezug auf die Forderung der Weiterbildung der Hochschullehrer. Hier wird viel Wert auf Qualitätsrichtlinien und Angebote gelegt bis hin zur Lehrevaluation. Kaum Berücksichtigung findet, dass die (kontinuierliche) Inanspruchnahme solcher Weiterbildungen Zeit kostet. Zeit, in der Menschen dann nicht für die Lehre zur Verfügung stehen. Schaut man in den heutigen Hochschulbetrieb ist das schwer vorstellbar. Die Einführung der neuen Studiengänge bindet schon enorme Kräfte gerade im Bereich der Lehre - hier "Weiterbildung" zu fordern ohne im selben Satz eine entsprechende Kompensation anzubieten, ist aus meiner Sicht sehr schwierig und auch nicht im Sinne einer effektiven Weiterbildung.
Daher münden wie so oft alle Forderungen nach Verbesserung schlussendlich in der Forderung einer besseren Ausstattung. Bessere Betreuung (d.h. mehr Lehrende, mehr Tutoren etc.), Fachzentren (die Didaktiker, Pädagogen etc. benötigen), mehr Lehrende, wenn ein Teil der Arbeitszeit in Weiterbildung investiert werden soll. Dass dort auch die Kultusminister nur die optimistische Fassung finden, dass angesichts der "positiven öffentlichen Debatte über Bildungsinvestitionen" das alles schon wird, ist mir zu wenig.
Letztendlich - ich kritisiere das immer wieder, aber ich höre damit nicht auf - der Wissenschaftsrat hat einen bemerkenswert miserablen Internetauftritt, er bewegt sich damit etwas über dem Niveau der KMK. Klassisch kurz aber wirklich nicht mehr zeitgemäß für ein Gremium dieser Größenordnung. Aber zu großen Forderungen gehört aus meiner Sicht auch diese ansprechend zu präsentieren, das hat weniger mit "viel Geld für PR" zu tun, denn PR mag ich nicht - aber man sollte mit gutem Beispiel vorangehen. Zu guter Lehre gehört eine gute Präsentation und dazu zählt denn auch der Internetauftritt.
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Reaktionen auf den Wissenschaftsrat
- ZEIT: Forderung des Wissenschaftsrates: Professoren sollen besser lehren
- SZ: Professoren sollen wieder besser lehren
- FR: Schonungslose Kritik an der Lage der Hochschulen
- TAZ: Der Lehre gebührt mehr Ehre
- DLF: Gute Forschung, schlechte Lehre
Reaktion von Bildungsverbänden
- Hochschulverband: Lehrprofessor ist kein Universitätsprofessor!
- GEW: Gute Lehre ist ein Job für Profis




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