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Wir gucken Eva Herman bei Kerner

Wir gucken Eva Herman bei Kerner

09.10.2007, (MR)

Wer hätte gedacht, dass ich freiwillig noch einmal Kerner im ZDF schaue - diese Talkshows meide ich sonst beim Zappen. Aber nach der Ankündigung, dass es in der heutigen Ausstrahlung mit Eva Hermann rund um das Thema "Familie" lustig werden wird, schauen wir also Kerner.

Eine zuerst fröhliche Diskussionsrunde: Neben Eva Hermann sind Senta Berger, Margarethe Schreinemakers und Mario Barth anwesend - im Publikum ein Experte zum "Dritten Reich".

Eva Hermann werden mit einer Engelsgeduld unzählige Brücken gebaut - nach diversen Zitaten der letzten Zeit, bei denen man im einfachsten Fall "unglückliche Formulierung" sagen könnte - um aus dieser Nummer wieder herauszukommen. Der Experte (hat jemand den Namen?) macht einfach den Unterschied zwischen einem konservativen Familienbild und dem Familienbild des "dritten Reichs" deutlich. Frau Herman antwortet in ewig langen Floskeln, die jeden Politiker neidisch machen sollten - ohne in irgendeiner Form auf die Fragestellung einzugehen.

So nähert sie sich in keiner Form einer Art der "Entschuldigung" oder Richtigstellung - ihre Antwort ist immer wieder, dass man anscheinend in diesem Land nicht mehr über die Vergangenheit sprechen könne - gleichzeitig wehrt sie sich vehement dagegen, in eine rechte Schublade gepackt zu werden. Und so fragt sich irgendwann wohl nicht nur der Moderator: Versteht sie nicht, was die anderen stört und warum man nicht einfach locker von "Gleichschaltung der Medien" sprechen kann. Da hilft es auch nicht, dass andere den unpassenden Vergleich auch schon an unpassenden Stellen gezogen haben.

Wirklich erfrischend unkompliziert und ehrlich entrüstet ist Senta Berger, die immer wieder dem angeblichen Wertezerschlagen der 68er die positiven Veränderungen und das neue Frauenbild entgegenhält.

Mit zunehmender Sendungsdauer werden die Gäste unruhig und unzufriedener mit dem "Diskussionsverlauf" und das ganze droht Kerner zu entgleiten. Nach der letzten goldenen Brücke ist Berger kurz davor die Sendung zu verlassen, Schreinemakers rückt auch auf ihrem Stuhl hin und her - und so entscheidet sich Kerner, ehe er alleine mit Frau Hermann zurückbleibt, diese endgültig zu verabschieden. In den Sekunden danach ist das Aufatmen in der Runde deutlich zu spüren.

Fazit: Mit Frau Hermans Thesen kann ich weiterhin nichts anfangen, da wird zwischen Familienpolitik, konservativen Idealen, Bindungstheorie, Vaterfigur, Herd und Familie munter hin- und hergesprungen. Aber es war einmal lustig wieder Kerner zu schauen, allerdings fällt die Sendung sicher eher aus dem Rahmen und ich werde mich nach dem Abend erstmal wieder von den Talkshows zurückziehen.

Update:
Eine aus meiner Sicht wirklich gute Analyse gibt Stefan Niggemeier in seinem Artikel: Der letzte Auftritt von Eva Hermann

 

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