Wilhelm von Humboldts sprachwissenschaftliche Bibliothek ist jetzt in einer Zusammenarbeit der HU Berlin und dem Harald Fischer Verlag auf Mikrofiche zugänglich gemacht worden. Humboldts Schriften zum Thema Sprache haben in den letzten 50 Jahren ein (neues) Interesse hervorgerufen.
Der Harald Fischer-Verlag veröffentlicht insgesam 270 Werke von Wilhelm von Humboldt. Insgesamt 104.500 Seiten, die auf über 1.200 Mikrofiches veröffentlicht werden.
Manch einer wird fragen "Mikrofiche" - das gibt es noch? Aber sicher und für die Langzeitarchivierung sind Mikrofiches auch heute noch ein beliebtes Medium. IT hat sich hier noch nicht durchgesetzt, maximal als "Zwischenlieferant", ansonsten ist die Lebensdauer einer CD-Rom völlig ungeeignet, andere digitale Speicherformen werden zwar ausprobiert, sind jedoch mit hohem Aufwand verbunden (Können wir PDF in 100 Jahren noch lesen, wie oft müssen die Daten umkopiert bzw. in neue Formate überführt werden?) - Mikrofiche ist hier deutlich einfacher zu handhaben.
Die HU-Berlin startete das Projekt, um den Buchbestand einer "Sicherungsverfilmung" zuzuführen. Gleichzeitig werden die Ergebnisse jetzt auch Forschern jenseits der HU zur Verfügung gestellt.
"Mit etwa 240 von 270 Titeln handelt es sich bei einem großen Teil der Werke aus Humboldts Sprachbibliothek – vor allem denjenigen über asiatische, afrikanische, ozeanische und amerikanische Sprachen – um Rarissima. Die frühesten Sprachschriften aus Mittel- und Südamerika stammen von Antonio Vasquez Gastelu: Arte de lengua mexicana. Puebla de los Ángeles (1693) und von Diego Gonzales Holguin: G ramatica y arte nueva de la lengua general de todo el Peru. Ciudad de los Reyes (1607) die wahrscheinlich durch den Bruder Alexander in die Bibliothek gekommen sind.
Eine Reihe von Schriften gelten als die ersten Werke überhaupt, die sich mit einer bestimmten Sprache befassen (z.B. L. E. Threlkeld: Specimens of a dialect of the aborigines of New South Wales, Sydney 1827). Wilhelm von Humboldt selbst hatte bei Forschungsreisen etwa ins Baskenland wichtige Werke kaufen können (Manuel de Larramendi: El impossibile vencido. Arte de la lengua bascongada. Salamanca 1729). Durch seine vielfältigen diplomatischen Kontakte hatte er die Möglichkeit, auch an anderweitig kaum zugängliche Schriften zu gelangen." (Quelle: HU Berlin)
Wer jetzt beschießt, dass er so etwas schon immer in seiner Sammlung haben wollte, sollte kurz zur Bank den Geldbeutel auffüllen. Zwischen 8.000 und knapp 10.000 Euro kostet die Investition, je nachdem ob man Negativ- oder Positiv-Mikrofiches haben möchte.
Für große Bibliotheken jedoch sicher durchaus eine interessante Investition.
Weitere Informationen




Informationen zum Artikel
Kommentarbereich
0 Kommentar(e) zu "Wilhelm von Humboldts sprachwissenschaftliche Bibliothek"Kommentare