In der letzten Zeit wurde wieder einmal häufiger über die Trennung von Werbung und redaktionellen Inhalten diskutiert, gerade die Bild-Zeitung steht hier immer wieder im Rampenlicht. Durch Zufall sind wir heute abend im Videotext gelandet - auch dort wird häufig Werbung und redaktioneller Inhalt nicht getrennt.
Besonders beliebt scheinen "Informations-Angebote" zu sein. Da wird für Infos geworben, wie man aus der "Schuldenfalle" kommt, seine Schufa-Einträge eliminiert, als Gehörloser Förderung bekommt - kaum ein Beratungsthema was dort nicht angeschnitten wird.
Die Aufforderung ist immer die gleiche: Man bekommt die Informationen via Faxabruf oder als E-Mail nachdem man eine SMS geschickt hat. Meist ist man ab 1,99 EUR dabei. Daneben gibt es Flirtlines, Chatten via SMS, Last Minute Angebote - die ganze Palette.
Einen "Anzeige" Hinweis haben wir auch nach längerem Durchsuchen der Videotexte verschiedener Sender nirgends gefunden. Teilweise sind Anzeigen wenigstens optisch abgesetzt, aber häufig kommen drei News, dann die Werbung für den Faxabruf und dann geht es mit News weiter.
Der untere Streifen ist meist komplett mit Werbung belegt und hebt sich immer optisch ab - das mag man als Kennzeichnung ansatzweise durchgehen lassen. Den Begriff "Anzeige" oder "Werbung" haben wir nie gelesen.
Problematisch aus unserer Sicht insofern als der Videotext natürlich auch redaktionelle Inhalte der Sender enthält. Nachrichten aus Politik, Sport und Society findet sich dort. Richtig schwierig wird es aus unserer Sicht, wenn sich die Werbung hier einfach "einreiht".
Gibt man bei Google die Begriffe "werbung videotext" ein, gelangt man über eine Adwords-Anzeige zu einem Anbieter, der einige Preisbeispiele hat. So kostet demnach eine Seite Videotext bei Vox 1.333,93 Euro/Monat, monatlich können nach dieser Seite bis zu 7.000 SMS (1,99 Euro) erzielt werden (Quelle: teletext-werbung.de).
Die Gewinnspanne kann sich jeder selbst ausrechnen.
Für Anbieter ist Werbung im Videotext natürlich auch interessant: Inhalte können schnell aktualisiert werden und der Werbeerfolg kann recht gut gemessen werden.
Welche Regelungen nun genau für Videotext gelten ist anscheinend noch umstritten. SevenOne Media (ein Werbezeitenvermarkter) schreibt dazu u.a.:
Wenn das tatsächlich so gelten sollte - müssten aus unserer Sicht einige Videotext-Seiten umgestaltet werden.
"Hingegen wird man von einer sinngemäßen Geltung des Trennungs- und Kennzeichnungsgebotes auf Videotext-Werbung ausgehen können." (Quelle: SevenOne Media)
Interessant wäre auch sicherlich einmal ein inhaltlicher Blick auf die Angebote, gerade die Beratungsangebote. Welche Informationen werden hier angebote, sind diese tatsächlich ihr Geld wert?
Für heute reicht uns aber der Blick in den Videotext - das Geld in den Faxabruf stecken wir zu einem späteren Zeitpunkt.
Der Videotext ist inzwischen 26 Jahre alt - und wird wohl immer noch von Zuschauern genutzt. Bei ARD und ZDF ist der Videotext werbefrei - das ZDF hatte einmal einen Ausflug in die Werbung unternommen, sich davon jedoch wieder abgekehrt.
Update 06.07.2006:
Einen guten Überblick über die Geschichte des Videotextes findet sich in der Diplomarbeit Michael Faatz (Universität Leipzig): Zur Spezifik des Fernsehtextes
Er geht u.a. auch auf den Bereich Werbung ein:
"Sat.1 führte in Deutschland Werbung im Fernsehtext ein und schreibt damit nach eigenen Angaben auch schwarze Zahlen. Inzwischen gehört Werbung zum Standard privater Fernsehtexte. Ein Problem stellt dabei seither die Trennung zwischen redaktionellen und kommerziellen Inhalten dar. Üblich ist eine Kennzeichnung von Werbung mit dem kleinen Buchstaben "w". Wo dieser Buchstabe allerdings auf den Seiten zu finden ist, entscheiden die Redaktionen. Für den Zuschauer ist es oft beschwerlich, Werbung vom redaktionellen Teil zu unterscheiden. Meist hat er eine Seite bereits gelesen, ehe er die Werbekennzeichnung entdeckt. Üblich ist heute eine Teilung der Fernsehtext-Seite in Redaktionsinhalte und Werbung, wobei oftmals mehrere Werbeinformationen auf einer Seite wechseln beziehungsweise durch Blinken hervorgehoben werden. Bestimmte Redaktionsleistungen werden außerdem von Firmen "präsentiert"." (Quelle: Faatz)
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