Bisher haben ausländische Studierende ohne direkten Hochschulzugang am Staatlichen Studienkolleg die Möglichkeit, sich in einem Jahr für Uni und FH zu qualifizieren und auf ein Studium vorzubereiten. Die nordrhein-westfälischen Universitäten sprechen sich in der Hochschulrektorenkonferenz nun gegen den Fortbestand der Einrichtungen und für eigene Auswahl- und Betreuungsverfahren aus. Damit wäre für viele Studienanwärter, insbesondere aus Entwicklungsländern, der Weg zu einem Studium in Deutschland versperrt.
Für ein Studium an einer deutschen Hochschule gilt für ausländischen Studienanwärter zunächst eine Sprachprüfung als verpflichtend. Aber nicht in jedem Land der Erde erhalten Schüler mit dem Abschluss der höheren Schule auch direkt einen Hochschulzugang. So ist in einigen Ländern z.B. ein Probestudium erforderlich. Bisher können sich zahlreiche ausländische Studienanwärter nach erfolgreich abgelegter Sprachprüfung an den sieben Staatlichen Studienkollegs in NRW in einem Jahr auf das Studium vorbereiten. Eine Feststellungsprüfung am Ende des Kurses sichert einen dem Abitur vergleichbaren Wissensstand.
Im Zuge des Hochschulfreiheitsgesetzes wählen nun Hochschulen zunehmend ihre Studierenden selbst aus - und so soll das auch für die ausländischen Bewerber gelten. Am liebsten wären den Rektoraten in NRW offenbar ausländische Bewerber, die im Heimatland bereits einen Bachelor-Abschluss erworben haben und in Deutschland einen qualifizierten Master-Studiengang besuchen. Wer schon hat, dem wird gegeben. Vorteil für die Unis und FHen: Die Bewerber haben ihre Studierfähigkeit bereits auf's Beste bewiesen und werden hier zielstrebig und erfolgreich den Master abschließen, ideal sogar noch eine Promotion drauflegen. Ob sie dabei etwas von Deutschland mitnehmen, ist Nebensache.
Bisher waren auch andere Studierende willkommen: Menschen, die ihr Studium komplett in Deutschland absolvieren. Menschen, die nach ihrem Abschluss im Heimatland Verbindungen zu Deutschland aufbauen oder halten, die aus entwicklungspolitischer Perspektive positiv im Heimatland wirken. Menschen wie Khemais B., der sich zunächst am Studienkolleg eine Hochschulzulassung erarbeitete, heute sogar selbst als Doktor der Philosophie an Hochschulen lehrt.
Absolventen der Studienkollegs erweisen sich als gut vorbereitet und schneiden nach einer Untersuchung an Hochschulen ähnlich gut ab wie deutsche Studierende. Da fragt man sich, warum ein solches hochschul- und entwicklungspolitisches Erfolgsmodell nun aufgegeben werden soll. Eine besondere Betreuung der ausländischen Studierenden an Hochschulen kann sicherlich sehr positiv und nutzbringend sein, aber sie darf m.E. nicht gegen die Vorbereitung am Studienkolleg aufgerechnet werden. Es wäre ein großer Verlust für unsere Kultur und unsere Außenbeziehungen, wenn demnächst "das Portal für unser Land" (U. Jost-Blome in einer Stellungnahme der Kirche) für ausländische Studierende aus aller Herren Länder abgeschafft würde zugunsten eines Schnell-Studiums für bereits gut ausgebildete Karriere-Absolventen - und es wäre zudem ein Verlust für Wirtschaft und Industrie, die zurzeit selbst in entlegenen Winkeln der Welt auf Fachleute mit deutschen Landes- und Sprachkenntnissen treffen.
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