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Vorlesen fördert die Entwicklung von Kindern

Vorlesen fördert die Entwicklung von Kindern

02.11.2011, (MR)

Eine Studie hat den Einfluss des Vorlesens auf Kinder und Jugendliche untersucht und kommt - man glaubt es kaum - zu dem Ergebnis, dass Vorlesen die Entwicklung fördert. Passend wurde die Studie von der ZEIT, der Stiftung Lesen und der Deutschen Bahn beauftragt.

Ich möchte nicht falsch verstanden werden - ich finde Vorlesen großartig und das gehört zu Hause zum täglich Brot, aber ich bin immer wieder belustigt, wie mit "Studien" um sich geworfen wird.

Wichtig ist auf jeden Fall im Titel "repräsentativ" zu verwenden, klar das wird hier auch gemacht. Die Studie selbst beruht auf Befragungsdaten von 500 Kindern zwischen 10 und 19 Jahren. Fragt sich wie so oft worauf sich denn hier die Repräsentativität bezieht ob sie da tatsächlich erreicht wird und ob die Aussagen der Studie nicht auch ohne "repräsentativ" zu sein, etwas wert sind.

Die nächste Frage, die sich mir dann stellt ist ob hier wirklich die Ursache untersucht wird. Behauptet wird das in der Pressemitteilung auf jeden Fall. Die Kinder wurden nach Vorlesegewohnheiten befragt und dann wurden schön andere statistische Kenndaten erhoben und schwups wird da eine Kausalität interpretiert. Und so kommt es dann, dass Vorlesen für ganz viele Entwicklungsdinge verantwortlich ist: soziale Kompetenz, Schulerfolg, Leseverhalten, aktive Freizeitgestaltung, langfristig positive Einstellung zum Lesen.

Na dann ist ja alles gut - mein Bauchgefühl sagt mir, dass das eine nette Pressemitteilung ist, die man auch gut ohne vorherige Studie hätte herausgeben können mit dem schlichten Statement, dass man Vorlesen gut findet und sich dafür einsetzt. Dieser - nennen wir es böse "pseudowissenschaftliche Begründung", wen soll die denn bitte überzeugen. Interessant wäre bei einer Studie, die diese Kausalität beweisen will, dann einmal konsequent andere auslösende Faktoren zu benennen und dann auszuschließen. Das erinnert mich an eine meiner allerersten Statistik-Vorlesungen, die ich im Studium besucht habe. Da konnten wir mit dem vorgelegten (echten) Datenmaterial zweifelsfrei beweisen, dass es einen Zusammenhang zwischen Geburtenrate und "Zug der Störche" gibt. Man kann an der Stelle aufhören, man muss es aber nicht.

Um es nochmal klarzustellen: Ich habe nichts gegen Vorlesung, habe schließlich selbst bei APOLL damals in der Alphabetisierung gewerkelt. Mich stört, dass heute alles mit einer Studie "bewiesen" werden muss, weil so wird es vermutlich unterstellt, die Botschaft sonst nichts wert ist. Von daher ist das hier eher eine Kritik an dieser Form der "Pressearbeit".
Denn schlussendlich ist das natürlich nicht mehr, denn es geht ausschließlich darum, das Thema zum Vorlesetag 2011 in die Medien zu pushen. (Was natürlich auch in meinem Fall geklappt hat, denn ich schreibe ja gerade darüber).
Und weil wir ja nett sind und das Thema grundsätzlich gut finden, alle weiteren Infos zum Vorlesetag und zum Thema selbst:

 

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