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Umfrage: Schwache Noten für Schulpolitik

Umfrage: Schwache Noten für Schulpolitik

01.04.2010, (RK)

Eine sehr schwache 3 vergeben die Deutschen der Schulpolitik der Bundesländer. Dies ist ein Ergebnis der Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach. Die im im Auftrag der Vodafone Stiftung Deutschland befragten Bundesbürger befürworten eine zentral vom Bund gesteuerte Bildungspolitik. Weiterhin sieht die Mehrheit das verkürzte Gymnasium kritisch, bemängelt einen zu hohen Unterrichtsausfall und zu große Klassen.

Vorweg sei darauf hingewiesen, dass von den 2.262 Befragten lediglich 436 Personen überhaupt Eltern mit Kindern waren. Bei einem 80 Millionen Volk eine überschaubare Stichprobe, würde man meinen. Ein statistischer Schnappschuss.

Allein, das von der Pressemitteilung erzeugte Rauschen im Blätterwald zeigt, wie wenig Fundament eine Zustandsbeschreibung benötigt, wenn sie nur vor professioneller Kulisse mit genug Seriosität vorgetragen wird. Verbänden sei daher an dieser Stelle daher wieder mal empfohlen, sich eines der bekannten, in der Medienberichterstattung dann als "renommiert" apostrophierten Meinungsforschungsinstitute zu besorgen (wenn möglich ein renommiertes Forschungsinstitut aus Amerika!), eine entsprechende Fragestellung in Richtung der eigenen Lobbyarbeit erheben zu lassen und die fälligen Kosten in eine Studie und die anschließende Pressearbeit - Location für Pressekonferenz, pardon: PK, in Berlin, Schnittchen für die Journalisten, usw. - zu investieren.

Damit lässt sich genug Schwung erreichen, um die im medialen Dauergetöse gestiegende Wahrnehmungshürde zu überspringen. Man erinnere sich an die Debatte um das "Prekariat", welche von einer von TNS Infratest im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung durchgeführten Studie ausgelöst wurde.

Die Durchschnittsnote für die Länder-Schulpolitik beträgt laut der Allensbach-Umfrage 3,6 im Rahmen der normalen Schulnoten-Skala. Auch die am besten bewerteten Bundesländer Bayern (3,3), Hessen und Sachsen (jeweils 3,4) kommen nur auf eine schwache Drei, während sich Berlin (3,9) und Schleswig-Holstein (4,2) am Ende des Noten-Rankings wiederfinden.

Ein Punkt dürfte Bundesbildungsministerin Annette Schavan mit Freuden vernehmen: 61 Prozent der Befragten wünschen sich ein Schulsystem, in dem der Bund die Verantwortung für die Bildungspolitik trägt.

Ebenfalls kritisch sehen die Befragten das achtjährige Gymnasium, wobei es sich in West und Ostdeutschland entgegengesetzt verhält: Während die Westdeutschen die verkürzte Oberstufe kritisch sehen, ist nur eine Minderheit für ein neunjähriges Gymnasium bzw. ein paralleles Angebot von G 8 und G 9. Neben zu großen Klassen steht ein zu hoher Unterrichtsausfall an Platz zwei der Mängelliste.

Darüber hinaus fordert eine Mehrheit der Eltern eine stärkere individuelle begabungsgerechte Förderung ihrer Kinder – 54 Prozent sehen in diesem Bereich hohen Handlungsbedarf. Dagegen hält nur jeweils ein Drittel der Befragten die Einrichtung von mehr Ganztagsschulen (34 Prozent), die Verlängerung der Grundschulzeit (32 Prozent) oder die regelmäßige Überprüfung der Schulen durch Leistungstests (30 Prozent) für vordringliche Handlungsfelder.

Die elterlichen Ansprüche an die fachliche und pädagogische Kompetenz des Lehrers sind ungebrochen hoch – die eher diffuse Kritik an einem angeblich jammernden Berufsstand ebenfalls. Dr. Mark Speich, Geschäftsführer der Vodafone Stiftung Deutschland erklärte: „Lehrer tragen auf dem Weg zu einer modernen Wissensgesellschaft in unserem Land große Verantwortung. Die Allensbach-Studie zeigt, dass Lehrer heute mehr denn je vor die Herausforderung gestellt sind, mit Erziehungsdefiziten und sozialen Ungleichheiten umzugehen. Pädagogen brauchen vor allem die öffentliche Anerkennung, die sie verdienen, um ihren Beruf mit Freude und Motivation auszuüben.“

Die Umfrage wurde im Rahmen des Wettbewerbs „Deutscher Lehrerpreis – Unterricht innovativ“, den die Vodafone Stiftung gemeinsam mit dem Deutschen Philologenverband ausrichtet, bereits zum zweiten Mal durchgeführt.

Weitere Informationen auf den Internetseiten der Vodafone Stiftung

 

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