Einer Umfrage des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) zufolge können sich 50% aller Betriebe trotz staatlicher Förderanreize nicht vorstellen, geringqualifizierte Jugendliche auszubilden.
Am 9. Januar hatte die Bundesregierung die Initiative "Aufstieg durch Bildung" verabschiedet. Ziel war, durch ein integriertes Maßnahmenbündel
Jugendlichen mit Qualifizierungsbedarf den Einstieg in den Ausbildungs-
und Berufsmarkt zu erleichtern. Teil des Maßnahmenpakets ist der
"Ausbildungsbonus": Betriebe, die zusätzliche Ausbildungsplätze
schaffen und diese mit
besonders förderbedürftigen Altbewerbern besetzen, erhalten eine
einmaligen Zuschuss von bis zu 6.000 Euro.
Wie eine repräsentative Betriebsbefragung des Bundesinstituts für Berufsbildung
(BIBB) aus dem Frühjahr 2008 nun zeigt, kann sich trotz dieser Unterstützung die
Hälfte aller Betriebe nicht vorstellen, zusätzliche Ausbildungsplätze
für Jugendliche zur Verfügung zu stellen, die sich seit mindestens
einem Jahr vergeblich um eine Ausbildungsstelle bemühen: Nur für jeden
sechsten Betrieb käme dies in Betracht. Ein weiteres Drittel ist in
dieser Frage noch unschlüssig.
Befragt wurden im "BIBB-AusbildungsMonitor" - einer regelmäßigen
Online-Befragung unter Personal- und Ausbildungsverantwortlichen - rund
2.400 Betriebe.
An dieser Stelle erlauben wir uns, uns selbst zu zitieren:
"Jedoch werden mit der durch den finanziellen Anreiz verstärkten Einstellung von bislang als "nicht ausbildungsfähig" geltenden Jugendlichen die Ursachen nicht behoben, deretwegen Betriebe diese Jugendlichen bislang nicht ausbilden woll(t)en: Weil sie nicht (ausreichend) lesen, schreiben, rechnen können oder weil sie nicht über die grundlegenden Eigenschaften verfügen, die nötig sind, um in einen Arbeitsprozess, eine Angestelltengruppe integriert werden zu können: Morgens aufstehen, pünktlich an vereinbarten Orten erscheinen, zuverlässig Aufgaben selbständig durchführen usw.
Welcher Betrieb wird sich die Last aufbürden, die ein/e solche/r 16, 17, 18jährige/r darstellt, zumal wenn motivierte Jugendliche mit Haupt-, Realschulabschluss oder gar dem Abitur in der Tasche Schlange stehen?"
Deutliche Unterschiede
Deutliche Unterschiede bei der Bewertung des Ausbildungsbonus gibt es
zwischen ausbildenden und nichtausbildenden Betrieben. Für zwei von
drei nichtausbildenden Betrieben stellt der Ausbildungsbonus keinen
Anreiz dar, entsprechende Stellen anzubieten.
Dagegen konnte sich jeder
vierte Ausbildungsbetrieb vorstellen, sein bisheriges Angebot aufgrund
des Ausbildungsbonus um durchschnittlich 20 % aufzustocken. Unter den
Betrieben ohne Ausbildungsabsichten für das kommende Ausbildungsjahr
zieht nur jeder zehnte diese Möglichkeit in Betracht.
Je höher der Qualifikationsbedarf, desto weniger Interesse
In Betrieben mit einem höheren Qualifikationsbedarf werden durch den Bonus voraussichtlich nur wenige Zusatzstellen für Altbewerber geschaffen. Hatten Betriebe im März 2008 schon Verträge mit Realschulabsolventen oder Bewerbern mit Fach- und Hochschulreife abgeschlossen, so nimmt ihre Bereitschaft, zusätzliche Stellen für Altbewerber anzubieten, auf bis zu 9 % ab. Dagegen waren Betriebe, die Verträge mit Hauptschulabsolventen abgeschlossen hatten, mit rund 47 % weit überdurchschnittlich dazu bereit, weitere "marktbenach-teiligte" Jugendliche aufzunehmen. Ausbildungswillige Betriebe, die im März noch keine Vertragsabschlüsse mit Jugendlichen aufweisen konnten, zeigten sich zu 27 % am Bonus interessiert.
Großbetriebe eher nicht am Ausbildungsbonus interessiert
Betriebe mit bis zu 50 Beschäftigten sind im Vergleich zu größeren mittelständischen Firmen und Großunternehmen weit eher bereit (Faktor 2,7), Altbewerber zusätzlich auszubilden. Damit könnte der Bonus zu einer Stärkung der Ausbildungsbeteiligung kleinerer Betriebe führen, die in der Vergangenheit immer weniger ausgebildet haben.
Unterschiedliche Einschätzungen in Branchen
Besonders im Dienstleistungssektor stößt der Ausbildungsbonus auf
Interesse, wodurch es zu einer weiteren Anpassung des dualen
Ausbildungssystems an die Entwicklung zur Dienstleistungsgesellschaft
kommen könnte. Aufgeschlüsselt nach unterschiedlichen Branchen zeigen -
neben der Verbrauchs- und Produktionsgüterindustrie - insbesondere die
Bereiche Verkehr- und Nachrichtenwesen, das Gastgewerbe, Gesundheits-
und Veterinärwesen sowie sonstige Dienstleistungen (z. B.
Entsorgungswirtschaft, Reinigungs- und Körperpflegebranche) eine
überdurchschnittliche Bereitschaft, Altbewerber aufzunehmen. Auf
Ablehnung stößt der Ausbildungsbonus insbesondere bei Unternehmen aus
der Kredit- und Versicherungswirtschaft sowie bei Einrichtungen der
öffentlichen Verwaltung.
Das Bundesinstitut für Berufsbildung plant Ende des Jahres eine zweite
Umfrage innerhalb des "BIBB-AusbildungsMonitors", um zu untersuchen, ob
und in welcher Weise der Ausbildungsbonus für Altbewerber tatsächlich
von den Betrieben genutzt worden ist.
Weiterführende Informationen:
Die ganze Studie ist auf den Internetseiten des BIBB zugänglich.
(Quelle: IDW)
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