Psychotherapie und virtuelle Realtität - diesem Thema stellt sich u.a. die Ausgabe 04/2007 der Zeitschrift Gehirn&Geist aus dem Spektrum-Verlag. Medien und Simulationen spielen in der modernen Psychotherapie eine immer größere Rolle.
Nachfolgend ein Auszug aus der aktuellen Ausgabe mit freundlicher Genehmigung des Spektrum-Verlags:
"Ob per Videofeedback, E-Mail, Handy oder Simulationssoftware - die klassische Psychotherapie wird zunehmend durch neue mediengestützte Behandlungsformen ergänzt.
In der virtuellen Psychotherapie haben Computer und Handy einen festen Platz: Traumapatienten werden online oder per SMS gecoacht, Zwangspatienten in virtuellen Realitäten mit ihren Ängsten konfrontiert. Laut erster Wirksamkeitsstudien haben sich die technischen Hilfsmittel bewährt, berichtet die aktuelle Ausgabe von Gehirn & Geist (4/2007).
Am Computer lernt Angstpatient Jonas S. sein Trauma zu überwinden: Der Höhenphobiker wagt die 3D-animierte Fahrt in einem gläsernen Aufzug. Dabei lösen ganz bestimmte kalkuliert eingesetzte Reize seine Furcht aus - der Anblick der Hochhausfassade, der Blick in die Tiefe. So kann der Patient nach und nach lernen, seinen Angstimpuls zu kontrollieren.
Virtuelle Realität kann aber auch bei anderen Problemen die Therapie unterstützen. So etwa an der Universitätsklinik Heidelberg: Dort testen Wissenschaftler den Nutzen einer poststationären Betreuung von essgestörten Patienten - per SMS. Dabei übermitteln die Betroffenen mit einem Zahlencode wöchentlich ein kurzes Update zu ihrem momentanen Körpergefühl. Je nachdem, ob sich die Symptomatik verbessert hat oder nicht, versendet der Therapeut eine passende Antwort.
Ausflüge in virtuelle Realitäten haben sich auch während der Chemotherapie von Brustkrebspatientinnen bewährt: Gehen diese virtuell am Strand spazieren oder bestaunen in einer Pixel-Galerie die Werke Picassos, fühlen sie sich weniger geschwächt. Auch bei Kindern mit Leukämie oder anderen Organerkrankungen wirken derartige Ausflüge schmerzlindern.
So innovativ diese Behandlungen anmuten, so herkömmlich ist die Funktion der eingesetzten Medien: Sie sollen meist unterhalten und zerstreuen. In welchem Maß Psychologen und Ärzte in Deutschland schon auf Computer und ähnliche Hilfsmittel zurückgreifen, ist nicht genau bekannt. In den USA führen vermutlich zwei Prozent der Therapeuten die medienbasierte Behandlungen durch. Nach Einschätzung von Experten dort sind die virtuellen Therapieansätze bei Ängsten ebenso effektiv wie klassische Verhaltenstherapie. Das sind viel versprechende Aussichten." (Quelle: Gehirn&Geist)
Weitere Informationen unter: www.gehirn-und-geist.de
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