Am morgigen 05. Oktober ist "Internationaler Tag des Lehrers". Und so stapeln sich die Pressemitteilungen rund um den Lehrerberuf - zwischen platten Statements und statistischem Zahlenmaterial ist alles zu haben.
Besonders nett ist die "Analyse" des saarländischen Ministeriums für Bildung, Kultur und Wissenschaft:
"Ziel müsse es deshalb sein, die Reputation des Lehrerberufs zu verbessern. Dazu ist die gesamte Gesellschaft aufgefordert. Denn PISA habe gezeigt, dass die Ländern, in denen das Renommee des Lehrerberufs hoch ist, besser abschneiden."
(Quelle: bildungsklick.de)
Mal eine ganz neue Analyse - das schlechte Abschneiden bei PISA hängt mit der schlechten Reputation der Lehrer zusammen - also gar kein Bildungsproblem, sondern nur ein "Vermittlungsproblem" außerhalb des Bildungssystems. So kann man die Welt natürlich auch sehen.
Das Statistische Bundesamt hat einige "Fakten zum Lehrerberuf" veröffentlicht, die deutlich interessanter sind - in der Form aber natürlich auch schon bekannt. 792.000 Lehrer, davon 40% Teilzeit (steigend), 65% Frauen. Lehrer werden immer älter, Durchschnitt liegt bei 48,1 Jahren.
"Insbesondere für Frauen scheint der Lehrberuf attraktiv zu sein - ihr Anteil lag unter den angehenden Lehrern und Lehrerinnen bei 68%. Für die Lehrerausbildung (mit Referendariat) wird in der Regel eine Dauer von sechs Jahren veranschlagt. Da die Zahl der Studienanfänger, die ein Lehramt anstreben, 2003 mit 34 500 einen Höchststand erreichte, ist davon auszugehen, dass das Angebot an Lehrkräften in den nächsten Jahren weiter zunimmt." (Quelle: Destatis)
Der Tag des Lehrers wurde übrigens durch die UNESCO 1994 eingeführt - im englischsprachigen Raum firmiert er unter "World Teacher's Day".
Einen Tag vor dem eigentlichen "Tag des Lehrers" rollt die PR-Maschinerie nun langsam an, es fehlen noch die Standardstatements der Lehrergewerkschaften und Ministerien.
Unbestritten ist, dass der Beruf "Lehrer" anspruchsvoller geworden ist, Lehrer immer mehr gesellschaftliche oder familiäre Probleme auffangen sollen und damit die Anforderungen steigen. Ausbildung und Struktur des Bildungssystems werden dem (oft) noch nicht gerecht. Schlussendlich kostet das Bildungssystem natürlich Geld, das man bereit sein muss zu investieren, ob das immer an den richtigen Stellen geschieht, darf bezweifelt werden.
Bei uns "um die Ecke" wurden zuletzt massiv Offene Ganztagsschulen gefördert - praktisch sieht das so aus, dass bei der Schule nebenan ein Klettergerüst auf dem Schulhof mehreren "Containern" für die OGS weichen musste. Gleichzeitig werden Lehrer immer häufiger auf Teilzeitbasis eingestellt - vor den Sommerferien entlassen und nach den Ferien wieder eingestellt. Es ist wichtig, Lehrern die Unterstützung der Gesellschaft zu geben - aber es reicht eben auch nicht aus, nur zu sagen, dass sie eine wichtige Funktion haben. Schule braucht auch schlicht die politischen Rahmenbedingungen, um sinnvoll agieren zu können. Und das ist eben nicht mit Kampagnen getan.
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