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Spielkonsolen ausschalten gegen Jugendkriminalität?

Spielkonsolen ausschalten gegen Jugendkriminalität?

13.04.2008, (MR)

So oder so ähnlich geistert es seit gestern durch die Presse - die Innenministerkonferenz setzt sich mit Jugendkriminalität auseinander und die meisten nehmen als Aufhänger die Forderung, dass Spielkonsolen in Kaufhäusern erst ab 15 Uhr eingeschaltet werden sollen. Nett verkürzte Diskussion, die vielleicht der Auflage oder den Clicks auf der Webseite hilft, dem Thema aber sicherlich nicht gerecht wird.

Zuerst einmal ist es interessant, dass sich die Innenministerkonferenz mit Schulschwänzen auseinandersetzt - naiv könnte man meinen, dass das doch eher ein Problem der Kultusminister ist, wenn jemand nicht zum Unterricht erscheint. Die Innenministerkonferenz kommt ins Spiel, weil es eigentlich um Jugendkriminalität geht und hier sind dann eher die Innenminister gefragt, aber thematisch besetzt werden sollte das Thema Schule schwänzen sicherlich in anderen Ressorts.

Sieht man sich dann die Forderung an, Spielekonsolen in Kaufhäusern erst ab 15 Uhr einzuschalten, bekommt man leise Zweifel an der Seriosität der Diskussion. Mag ja sein, dass ein potentieller Schulschwänzer dann doch zur Schule geht, wenn die Welt "da draussen" so unattraktiv ist, dass die Schule das geringste Übel ist, aber das klingt doch sehr - sagen wir "konstruiert".

"Ergooglet" man sich das Thema wird schnell klar, die Forderung ist auf der einen Seite schon ein halbes Jahr alt (und damit gibt es eigentlich keinen Grund, jetzt damit so groß aufzumachen) und andererseits ist es beileibe nicht der Kern der Argumentation.

Schon im November 2007 hatte eine Arbeitsgruppe der Innenministerkonferenz einen knapp 100 Seiten umfassenden Bericht erarbeitet, der als Vorbereitung für die jetzt stattfindende Frühjahrskonferenz dient. Dort gibt es im Anhang eine Reihe von Handlungsempfehlungen und in Nr. 9 findet sich dann tatsächlich an letzter Stelle das Wort Spielkonsole:

"Weiterhin sollten die Polizeien Kooperationen mit anderen Stellen prüfen, um darauf
hinzuwirken, dass Anreize für Schuldistanz reduziert werden (z.B. Abschalten von
Spielkonsolen in Geschäften während der Schulzeit)." (Quelle: IMK 185, Bericht)

Eine "seriöse" Berichterstattung sollte das aufarbeiten und von einem guten "Online-Artikel" erwarte ich die Quellenangabe. Die meisten Artikel zum Thema sind noch nicht einmal in der Lage den korrekten Titel der Empfehlung anzugeben, dass auf den Webseiten des Landes Berlin der komplette Bericht kostenlos als PDF verfügbar ist, darauf verweist keiner (die aktuellen Handlungsempfehlungen werden immer nur indirekt zitiert, das Dokument haben wir im Netz bisher nicht gesehen).

Thematisch ist das ganze natürlich auch mehr als traurig, da ein eigentlich wichtiges Thema auf die Aussage eines Nebensatzes verkürzt wird und von den vielen wichtigen Nachfragen eigentlich keine gestellt wird.

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