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schülerVZ

schülerVZ mit Guerillamarketing

23.04.2007, (MR)

schülerVZ, der Ableger von studiVZ ist heute durch eine recht dämliche Marketingaktion aufgefallen. Es gibt Beiträge, da überlegen wir ob wir (selbst durch Kritik) uns hier nicht vor einen PR-Karren spannen lassen.

Die SchülerV-Aktion ist eine solche - negative Berichterstattung wird hier sicherlich unter "Aufmerksamkeit" positiv umdeklariert.

Aber worum geht es?
StudiVZ war schon wegen Sicherheitslücken, fragwürdiger Aktionen des Gründers u.v.m. heftig umstritten. Der Ableger SchülerVZ soll nun die Schülerschaft binden. Ziel ist es eine "Community" zu bilden - hinter den Kulissen wartet man sicher auf "Kundenkontakte" in kauffreduigen Zielgruppe der 12 - 18jährigen, freut sich über entstehende Werbeflächen und bietet Möglichkeiten ,seine privaten Daten einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen - soweit so ironisch.

Heute Nacht wurde in einer "Guerilla-Aktion" 1.000 Schulen ungewollt Teil einer Werbekampagne. Angeblich wurden 3 Millionen Post-Its verklebt und Strassen mit pinkem Kreidespray verschönert.

Ob Schulen sich freuen, ungefragt hier zum Werbeträger gemacht zu werden? Zum Aufräumen ist wohl keiner aus der PR Agentur dageblieben, die Pressemitteilung aus Berlin meint lakonisch "leicht abwaschbar". Vielleicht hätte die Agentur statt Schulen als Ziel einmal Bahnhöfe und Straßenbahnen nehmen sollen - da würde zumindest die Rechnung für die Reinigung schnell kommen.

Uns bleibt einzig zu hoffen, dass Schulen sich hier wehren - wenn das "Schule" macht, wirbt bald jeder auf den Schulhöfen.

Die Pressemitteilung klingt wirklich wie ein Hohn: "schülerVZ möchte durch diese Aktion den Schülern als Sprachrohr für Bildungsanliegen dienen und sich für seine Mitglieder einsetzen. Unternehmens-Mitgründer Michael Brehm dazu: "Natürlich ist uns
Aufmerksamkeit wichtig. Aber wir wollen durch Aktionen wie diese, Kommunikation fördern und auf Themen hinweisen, die Schülern wirklich am Herzen liegen." (Quelle: PM schülerVZ)
Ja - welche Themen denn? Lehrermangel? Unterrichtsausfall? Qualität des Unterrichts? Schulzeitverkürzung? Ausstattungsprobleme? schülerVZ als Kommunikationsplattform an der Schnittfläche von Bildungsanbietern und - nutzern?

Selten so gelacht - da sollten sie doch ehrlich sein und sagen, dass sie an die Daten der Schüler wollen. Besonders schön ist, dass schülerVZ für die Plattform an einem Verhaltenskodex arbeitet - die PR Abteilung könnte ja einmal mit gutem Beispiel vorangehen. Wie schon beim Start von schülerVZ ist offensichtlich, dass mit pädagogisch verbrämter Phraseologie und vagen Absichtserklärungen das Unternehmen als gemeinnütiges "Projekt" gekennzeichnet werden soll, um seitens des Unternehmens befürchteten Gegenwind vorwegnehmend zu unterlaufen.

Interessant ist auch der Hinweis bei Jörg Olaf Schäfers zur offiziellen Lage der Werbung an NRWs Schulen:
"Jede Werbung, die nicht schulischen Zwecken dient, ist in der Schule unzulässig.  [...]  Das Werbeverbot soll verhindern, dass die Schule für Interessen genutzt wird, die nur außerschulischer Natur sind. Sinn des Verbotes ist es, einen störungsfreien Unterricht im Sinne des Bildungs- und Erziehungsauftrages der Schule zu gewährleisten" (Schulministerium NRW)

Wenn auch im heutigen "Guerilla-Marketing" die Kosten für Rechtsstreits und Säuberung sicher einkalkuliert sind bleibt zu hoffen, dass es wenigstens teuer wird. Darüber hinaus ist es ja auch jedem Schüler und Studenten freigestellt über welche Community er sich vernetzt - und welche Daten er wo preisgibt.

PS: Früher - da musste man glaube ich Werbeflächen noch mieten, so eine bundesweite Kampagne im öffentlichen Raum (Bahnhöfe, Bushaltestellen, diese Plakatwände in der Stadt) - das war so richtig teuer. Der Witz ist, dass hier von PR-Leuten billig Werbung gemacht wird - mit dem Ziel nachher wieder teuer die "klassischen" sprich die Web-Werbeplätze zu verkaufen.

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