Ich! Ich! Ich! Immer noch hält der Boom von Internetangeboten an, deren Service darin besteht, eine Infrastruktur zu bieten, über die Nutzer Texte, Bilder, Musik oder Videos hochladen und anschauen können. Nachdem die skandalumwitterte Studentenplattform studiVZ vom Holtzbrinckverlag gekauft und somit die Gründer saniert wurden, legen sie jetzt dasselbe in grün vor: schülerVZ.
schülerVZ wendet sich speziell an Schüler ab zwölf Jahren. "Mit schülerVZ bieten wir jetzt genau das, was Schüler wollen. Ein eigenes Netzwerk mit den Funktionen, die auch studiVZ zu einem großartigen Erfolg gemacht haben", erklärt studiVZ-Gründer Ehssan Dariani, um den sich nicht nur schmeichelhafte Geschichten ranken.
Comme il faut können Mitglieder bei schülerVZ in einem eigenen Profil Namen, Alter, Geburtstag, Schule und Klasse, aber auch Privates wie Hobbys oder Musik-Vorlieben eintragen. Suchfunktionen ermöglichen es, andere Schüler aus der eigenen Klasse oder Schule zu finden und mit ihnen in Kontakt zu treten.
Die Macher erklären, in vermutlich vorauseilender Ahnung möglicher Kritik oder Befürchtungen "auch Schüler-, Eltern- und Pädagogenverbände einbinden" zu wollen. Ob und in welcher Weise dies geschehen soll und wird, bleibt abzuwarten. Es darf aber vermutet werden, dass bei der Entwicklung von schülerVZ weniger pädagogische Konzepte als technische und Marketing-Überlegungen im Vordergrund standen und stehen. So erklärte der schülerVZ-Pressesprecher der Süddeutschen Zeitung auf die Frage, wie denn in schönstem Ministerpräsidentendeutsch "Die Ideen müssen noch reifen [...] in diesem Bereich will man keine Schnellschüsse".
Dabei werden die Macher auf schülerVZ.de schon konkreter und kündigen an, "einen Beirat aus Schülern, Eltern und Lehrern sowie Jugendschutzexperten aufzubauen. " Ziel sei, "diesen aktiv in die Weiterentwicklung von schülerVZ einzubeziehen." Hier ist erheblicher Ankündigungsaufwand betrieben worden, um von vornherein pädagogisch sauber da zu stehen. Man wird abwarten müssen, ob, wann und in welcher Weise sich der Beirat generiert
Die im Pressetext formulierten Nutzungsmöglichkeiten von schülerVZ lesen sich jedoch wie medienpädagogisches Wunschdenken: "Über Diskussionsgruppen können Schüler Themen ihrer Wahl, z.B. „Wahlrecht ab 14“, diskutieren, ihr Wochenende gemeinsam planen oder sich für die Vorbereitung auf Klassenarbeiten zusammenfinden." Man muss kein Hellseher sein, um zu vermuten, dass die Plattform für die Fortsetzung des Schulhofs mit virtuellen MItteln genutzt wird: Verabreden, flirten, lästern, Grenzen überschreiten. Es scheint, als wollten die Betreiber bei Erwachsenen vermutete zustimmungsfähige Aspekte von schülerVZ betonen, um evtl. Kritik zu unterlaufen, ähnlich wie wir als Kinder die besondere Qualität und gute Verarbeitung neuer Kleidungsstücke herausgestellt haben, um von dem horrenden Preis abzulenken oder sonst wie um die Zustimmung unserer Eltern für einen Neuzugang im Kleiderschrank zu werben.
Es gibt sie noch, die guten Dinge
Die Macher von schülerVZ achten offensichtlich sehr darauf, die ihre anvisierte Zielgruppe kontrollierenden Eltern nicht zu verschrecken und mobilisieren wie umfassende, Seriösität vermittelnde Rhetorik und erklären: "Alle Sicherheitsbestimmungen sollen [...] auch für Außenstehende wie zum Beispiel Lehrer und Eltern, verständlich sein." Und so klingt es, wenn die Eltern da abgeholt werden, wo sie von den Netz-Strategen hinsichtlich ihrer Sprachwelten vermutet werden: "das Wissen um die Risiken des Internets ist für Schüler in der heutigen Zeit genauso essentiell, wie früher die Warnung, von fremden Menschen keine Geschenke anzunehmen." Ja, es gibt sie noch - die guten Dinge.
SchülerVZ ist nun in einer Alpha-Version gestartet. Der Start der Beta-Version ist für den 21. Juni vorgesehen. Wer sich in der Alpha-Version der Plattform registrieren will, benötigt die Einladung eines aktiven schülerVZ-Nutzers.
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