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Bundesbildungsministerin Schavan

Bundesbildungsministerin Schavan

Schavan: Zahl der Schulabbrecher halbieren

02.01.2007, (RK)

Ein Ergebnis der Moderne ist die gleichzeitige Entwertung und Aufwertung von Bildungszertifikaten. Einerseits werden Abschlüsse immer wertloser und gleichzeitig immer wichtiger. Neben dem höchstmöglichen Abschlüssen sind es v.a. "add ons", die zusätzlichen Kompetenzen und Erfahrungen, die den Unterschied ausmachen, dessetwegen sich ein Bewerber um einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz gegenüber der Konkurrenz durchsetzt. Wenn sich für eine Stelle Bewerber mit identischen Abschlüssen bewerben, sind es diese Zusatzqualifikatikonen, "das gewisse Extra", das Praktikum, die Fremdsprache, die IT-Kompetenz, die den Unterschied machen.

So sind Abschlüsse heute bei weitem nicht mehr die Garantie für einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz, aber ohne sie geht gar nichts. Sie sind Grundvoraussetzung, die das Niveau des "Markts der Möglichkeiten" (auf Arbeit, Ausbildung oder anschließende Bildungsmaßnahmen zur Erschließung hherwertiger Verteilungsmärkte von Chancen), auf dem ein Bewerber in den Wettbewerb um Erwerbschancen eintreten kann, regulieren.

Vor diesem Hintergrund muss die hohe Zahl der Schulabbrecher mehr als nachdenklich stimmen. Noch klingt die Debatte um die gar nicht so neue Unterschicht in den Ohren. Bedeutsamste Erkenntnis der Studie "Gesellschaft im Reformprozess" von TNS Infratest im Auftrag der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung nicht so sehr darin bestand, dass es Armut in Deutschland gibt, (Siehe hierzu auchdie Broschüre "Armut und Lebensbedingungen – Ergebnisse aus LEBEN IN EUROPA für Deutschland 2005" des statistischen Bundesamtes, die zusammen mit umfangreichen Tabellen online abgerufen werden kann. Dieser Veröffentlichung zufolge, sind 13% der Deutschen armutsgefährdet - 10,6 Millionen Menschen, darunter 1,7 Millionen Kinder unter 16 Jahren.), sondern, dass ein nicht unerheblicher Prozentsatz der Bevölkerung, das mittlerweile berühmte "abgehängte Prekariat" die Vorstellung von der Möglichkeit des (Wieder)Aufstiegs, oder -bescheidener- der (Re)Integration in die Gesellschaft durch Selbstversorgung, aufgegeben haben.

"Ich werde Hartz IV", lautet die teils trotzig, teils fröhlich-provokant vorgetragene Zukunftsbeschreibung solcher Jugendlicher, die schon früh gelernt haben, sich als Verlierer zu sehen. Das Politik und Gesellschaft dem nicht tatenlos zusehen können, hat nicht zuletzt auch die mittlerweile berühmte Studie zum "Prekariat" gezigt. Aus dieser geht hervor, das Armut und nachhaltige Perspektivlosigkeit nicht nur mit Resignation und gesundheitlichen Risiken einhergehen, sondern auch mit einer Tendenz zu politisch radikalen Anschauungen oder politischer Indifferenz.
Gut und richtig also, wenn Bundesbildungsministerin Schavan sich nicht nur auf die Hochqualifizierten und High Tech konzentriert, sondern auch die Benachteiligtenförderung nicht aus dem Auge verliert.

Klappern gehört zum Handwerk

Mit der Ankündigung einer Initiative zur Verringerung der Zahl der Schulabbrecher bringt es Bundesbildungs-, pardon: -forschungsministerin Schavan heute auf gut 100 Artikel. "Ich möchte 2007 gemeinsam mit den Ländern eine Offensive für den Bildungsaufstieg ins Leben rufen.", erklärte Bundesbildungsministerin Schavan gegenüber der Rheinischen Post. Ob neben Webseiten, Prospekten und Plakaten auch Konkretes und im Effekt Messbares passieren wird, kann in fünf Jahren beurteilt werden: Bis dahin will Schavan die Zahl der Schulabbrecher halbiert haben.

Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Georg Ludwig Braun beklagte, dass die Differenz zwischen dem, was Jugendlichen können und dem, was Unternehmen fordern immer größer werde.

Dem statistischem Bundesamt zufolge verließen 2005 rund 76 000 Jugendliche (ca. 8%) in Deutschland die Schule ohne Abschluss. Bei Jugendlichen ausländischer Herkunft liegt die Quote der Schulabbrecher bei 17,5 Prozent. Hinzu kommen nach Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft 246.000 Berufsschüler ohne Abschluss.

(Quelle: tagesschau)

 

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