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Rezension zu Werner Hessing: "Arbeit und Beruf. Das Kreuz mit der Schrift"

Rezension zu Werner Hessing: "Arbeit und Beruf. Das Kreuz mit der Schrift"

03.12.2007, (MD)

Im Rahmen des BMBF geförderten Projekts "F.A.N.- Fußball, Alphabetisierung, Netzwerk" ist nach den Sachbüchern "Sport-Fußball", "Zusammenleben" und "Politik" eine weitere leicht lesbare Sachlektüre entstanden, diesmal zum Thema "Arbeit und Beruf".
Alle Sachbücher sind für die Zielgruppe erwachsener funktionaler Analphabeten gedacht. Längst hat sich aber herausgestellt, dass die Sachbücher auch hervorragend für den Einsatz im Bereich Deutsch als Zweitsprache und in der Berufsvorbereitung   geeignet sind. Eine Rezension von Marion Döbert.

Werner Hessing, Grundbildungspädagoge an der Kreisvolkshochschule Norden, ist  Autor des Buches, das er neben den eigenen Texten auch mit Erzähltexten des Journalisten Michael Freund, Drehbuchautor für die Fernsehserie "Das Kreuz mit der Schrift", versehen hat.

In dem Buch geht es um leicht lesbare Sachinformationen rund um das Thema "Arbeit und Beruf". Der Wandel der Berufe  wird genauso thematisiert wie geringfügige Beschäftigung, Arbeitslosigkeit, unbezahlte Arbeit –auch Hausarbeit!!- oder Arbeit für Menschen mit Behinderungen. Neben leicht verständlichen Definitionen und informierenden Textpassagen stehen ganz pragmatische Themen wie z.B. Formularanforderungen aus der Arbeitswelt oder beim Arbeitsamt. Die Steuerklassen werden (endlich einmal) übersichtlich beschrieben. Tabellen und Grafiken erklären auch ohne viel Schrift den Unterschied zwischen Brutto- und Nettolohn, den Regelsatz für die soziale Grundversorgung, den Aufbau der Gewerkschaftslandschaft, die gesetzlichen Kündigungsfristen oder das Ausmaß von Schwarzarbeit in Deutschland.

Didaktisch ist das Buch – wie alle anderen Sachbücher in der Reihe- wieder einmal hervorragend aufgebaut. Stark bebilderte Seiten, Fotos, Illustrationen und Minitexte  können auch in Kursen eingesetzt werden, in denen die Lernenden noch am Anfang stehen. Für mittlere und höhere Lernstufen sind die nach Kriterien für leichte Lesbarkeit geschriebenen und layoutierten Texte hervorragend geeignet.

Längere Informations- und Erzähltexte wechseln sich ab mit Gedichten, Sprüchen, Witzen und Rollentexten. Komplexes und Einfaches sind so miteinander verbunden, dass die Lektüre auch in heterogen zusammengesetzten Lerngruppen für die Unterrichtsdifferenzierung eingesetzt werden kann.

Neben dem Umgang mit Texten (prose literacy) bietet das Buch auch reichlich Übungsmaterial für den Umgang mit schematischen Darstellungen (document literacy) und den Umgang mit Zahlen (quantitative literacy), so dass zentrale Aspekte von Literalität nach OECD-Gesichtspunkten berücksichtigt worden sind.

Der Aufgabenteil am Schluss des Buches bietet Kursleitern zahlreiche Anregungen zur Generierung auch eigener Übungen für den Unterricht. Übungen finden sich zum Sinn erfassenden Lesen, zum Ausfüllen von Tabellen, als Wissensabfrage oder auch als Ausgangspunkt für berufliche Selbstreflexion wie z.B. durch ein kleines abgedrucktes Stärken- Schwächenprofil. Über ein paar mehr Übungen hätten sich die Unterrichtenden in der Alphabetisierung bestimmt noch mehr gefreut.

Die Gesamtgestaltung des Buches ist luftig und abwechslungsreich, reichlich versehen mit semantischen Lesehilfen, klarer Kapitelgliederung und farbig unterlegten Orientierungsflächen. So weiß der Leser immer, wo er sich befindet. Und das ist gerade für die wichtig, die im Schriftsprachlichen leicht ins Schwimmen geraten.

Nicht zuletzt zeichnet sich das Buch auch dadurch aus, dass es Farbe bekennt und über politische und wirtschaftliche Zusammenhänge aufklärt. Besonders bei  ausgewählten Auszügen aus dem Grundgesetz oder bissigen Karikaturen wird deutlich, dass es (Menschen)Rechte gibt, und die muss man sich manchmal auch erstreiten. Ein Buch also nicht nur zum Lesen und Arbeiten, sondern auch zum klüger Werden und klüger Handeln.

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