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Raubkopien unter der Lupe (Update)

12.07.2005, (MR)

Update zu diesem Artikel am 16. Juli 2005, 11:30 Uhr:
Aufgrund unserer Meldung kamen wir ins Gespräch mit Nikolai Dördrechter, der an der RWTH-Aachen zu diesem Thema promoviert und unsere "Verwirrungen" der nachfolgenden News freundlicherweise in einem Interview mit reticon klärte.
Direkt zum Interview mit Nikolai Dördrechter


Eine neue Studie zum Thema Raubkopien "Afd - Available for Download" wurde von Partners 4 Management und der RWTH Aachen veröffentlicht. Die Medienwelt stürzt sich begeistert auf das Thema - wir stellen einige kritische Nachfragen.

Zuerst einmal zur Studie selbst:
Untersucht wurde über den Zeitraum Oktober 2004 bis März 2005, Ziel war es den Verbreitungsgrad von Raubkopien, deren Quellen und die Qualität zu ermitteln. Ergebnis ist, dass 66% aller Kinofilme online verfügbar sind und davon wiederum ein Drittel schon vor dem offiziellen Kinostart.
Einzelheiten über die Studie finden sich z.B. bei Heise und auch bei Spiegel-Online.

Wir waren auch interessiert und haben uns für reticon das Pressematerial zuschicken lassen. Etwas unübliches Format: es erreichten uns eine PowerPoint-Datei und ein Word-Dokument.
Neben den sicherlich interessanten Einzelheiten, die durch die Presse kursieren, wollten wir eigentlich etwas mehr wissen: Wer war von der Rwth beteiligt, wie wurde genau untersucht - ab wann ist ein Film "verfügbar" und wurden dort tatsächlich zu "wissenschaftlichen Zwecken" über sechs Monate hinweg alle Kinofilme aus Tauschbörsen heruntergeladen, um die Filmqualität zu beurteilen.

Hierauf geben die Pressedokumente leider keine Antwort, dafür werden aber neue Fragen aufgeworfen:
Zugeschickt wurde uns das Material von P4M, die angeblich Mitinitiator sind. Der Auftraggeber wird allerdings nicht wirklich deutlich.
Noch verwirrender dann die weiteren Verweise für mehr Informationen. Pressemitteilungen können unter www.hartabergerecht.de abgerufen werden - die angegebene Unterseite gibt es allerdings nicht. Hartabergerecht ist eine Webseite der Zukunft Kino Marketing GmbH, als Pressestelle fungiert dort derselbe Ansprechpartner, der in der P4M-Meldung als Kontakt angegeben ist: Eine ZPR-GmbH aus Münster. Die Webseite trägt das professionelle Schild "Hier entsteht eine neue Internetpräsenz".
Unter diesen Gesichtspunkten ist die Aktion unserer Meinung nach viel mehr PR als eine wissenschaftliche Studie.

Googelt man weiter, findet man erste Verbindungen zwischen der Rwth und P4M:
So hat anscheinend Nikolai Dördrechter an der Afd-Untersuchung mitgewirkt, wie aus einer Meldung von P4M im Mai hervorgeht.
Anscheinend hat Herr Dördrechter in einem Zeitraum das Download-Verhalten mittels einer Umfrage im Rahmen seiner Dissertation erhoben. Seine Anfragen gestellt hat er in diversen Foren, Gästebüchern etc., z.B. hier Die Umfrage lief vom 25.04.-30.05.2005 unter http://www.filmumfrage.de/
Zitat von der Webseite: "Die Umfrage ist Teil einer Studie an der RWTH Aachen. Die Studie ist rein wissenschaftlicher Natur und wird von keinem Unternehmen oder Verband der Filmindustrie gesponsert. " (Quelle: www.filmumfrage.de)
Interessanterweise ist die Umfrage seiner Dissertation ziemlich im Anschluss an die Afd-Studie von P4M und die geben als Pressekontakt auch noch Kino Zukunft Marketing an.

Für uns klingt das alles sehr verwirrend und hat mit Transparenz und Wissenschaft nicht so viel zu tun - mag sein, dass das alles korrekt ist und Wissenschaft heute so funktioniert - wir finden es zumindest komisch.
Komisch ist aber auch, dass der Rest der Welt die Pressemeldungen einfach so abdrucken: Spiegel oder Heise - kritische Nachfragen fanden wir meist nur in den Foren zur ensprechenden Meldung.

 

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