Seit zwei Jahren gibt es im "Deutschlandradio Kultur" jeden Sonntagmorgen um acht Uhr ein Stück Radiogeschichte zu hören: Sendungen aus der Reihe "Allein gegen Alle" aus den 60er und 70er Jahren, moderiert von Hans Rosenthal, werden wiederholt. Wer aus Versehen mal so früh wach wird, dem sei ein Hineinhören wärmstens empfohlen. Alle anderen können die Sendung auch per Podcast beziehen.
Nun mag sich der Eine oder Andere vielleicht wundern, warum eine Sendung, die mittlerweile doch schon mindestens vierzig Jahre alt ist, heute noch hörenswert sein kann: Einmal reinhören und man ist dem besonderen Charme erlegen!
Zunächst einmal das Konzept der Sendung:
Ein Fragesteller fordert mit fünf Fragen aus den unterschiedlichsten Bereichen eine ganze Stadt heraus. Hans Rosenthal und mehrere Außenreporter moderieren und kommunizieren mit dem Bürgermeister der jeweiligen Stadt, um den sich ein Rateteam bildet und mit Bürgern, die noch eine Zusatzaufgabe bestreiten müssen. Eine Jury entscheidet schließlich über die Richtigkeit der Antworten, wobei auch zwei Fehlversuche erlaubt sind. Natürlich wäre in Zeiten des Internets dieses Konzept gar nicht mehr denkbar. Zur damaligen Zeit wurden tatsächlich noch Lexika gewälzt. Aber da fängt es schon an, interessant zu werden: Wer aus der Generation 30 Plus besitzt überhaupt noch Lexika? Und wenn ja, benutzt man sie noch? Der schnelle Weg führt heute doch eher ins Netz zu Google, Wiki etc. "Allein gegen Alle" führt einem unter anderem sehr anschaulich vor Augen, wie selbstverständlich das Internet Einzug in unser aller Leben genommen hat. Obwohl es in erster Linie eine Unterhaltungssendung ist, erreicht sie aus heutiger Sicht doch ein hohes Niveau, undenkbar für aktuelle Sendungen (zumindest im Fernsehen). Komplizierte Fragen werden nicht gescheut, "sogar" Fremdwörter benutzt und je nach Außenreporter reiht sich ein Wortwitz an den nächsten. Hans Rosenthal moderiert das Ganze unnachahmlich charmant und intelligent. Unterhaltungssendungen in der Form finden heute natürlich eigentlich nur noch im Fernsehen statt. Vergleicht man jedoch ganz grundsätzlich die Denkweise der damaligen Produzenten solcher Sendungen mit der Einstellung heutiger, fällt eines auf: Es wird zwar genau wie heute auch für das Publikum produziert, aber man hat keine Angst mit einem gewissen Anspruch Menschen zu verschrecken. Im Gegenteil, das Publikum wird ernst genommen und ihm wird etwas zugetraut. Das alles aber mit einem großen Unterhaltungswert. Leider, so zumindest mein Eindruck, werden heute Sendungen hauptsächlich für die angeblich nicht mehr belastbaren und grund-verblödeten Zuschauer gemacht. Natürlich ist die Medienlandschaft 2009 nicht mit der aus den 70er Jahren vergleichbar, aber vielleicht gäbe es auch heute noch mehr Möglichkeiten als allgemein angenommen.
So manche chauvinistische Formulierung der damaligen Zeit muss man dann schon mit einem Augenzwinkern hinnehmen. Hervorzuheben ist schließlich noch die Musik: Egal ob es dem persönlichen Geschmack entspricht, Respekt gebührt auf jeden Fall der Tatsache, dass alles live gespielt ist. Damals konnte sich noch jede Rundfunkanstalt ein eigenes Unterhaltungsorchester, eine Big Band oder ein Tanzorchester leisten, welche die damaligen Stars begleiteten. Heute wird ausdrücklich darauf hingewiesen, wenn ein Künstler einmal live spielt...
Wenn Sie mal reinhören möchten:
Informationen zum Artikel