reticon-Redakteur Ralf Kellershohn hat in seinem Artikel "Bild dir deine Meinung" über die Bild-Zeitung berichtet, die sich offensichtlich nicht für die Wahrung der Persönlichkeitsrechte (die eben auch für Terrorverdächtige gelten) interessiert. Traurig ist, dass sich die Bild-Zeitung in schlechter Gesellschaft befindet. In Zeiten des Tickerjournalismus leider eher Alltag denn Ausnahme.
Ein Blick heute abend in die Berichterstattung über die deutsche "Terrorzelle" offenbart, dass sich viele weitere Medien zu schade sind, sauber zu arbeiten. Da werden eben keine Bilder bearbeitet und unkenntlich gemacht ("verpixelt"). Da wird zwar nett vom "Verdächtigen" gesprochen, aber dann halt doch sein Bild gezeigt.
Zuerst das Positive - einige machen sich die Arbeit:
- Focus - verpixelt
- Süddeutsche - verpixelt
- Spiegel-Online verpixelt
- Stern verpixelt
- WDR-Nachrichten verpixelt
- FAZ - keine Bilder der Verdächtigen
Doch nun die weitaus schlechtere Nachricht - den schwarzen Peter des schlampigen Journalismus darf sich BILD mit weiteren teilen, bewusst keine direkten Links gesetzt, sondern nur als Quellenangabe - wir wollen das Vorgehen nur dokumentieren aber nicht noch unterstützen:
- RTL Aktuell
http://www.rtl.de/news/rtl_aktuell_videoplayer.php?article=14&pos=3 - N24 http://www.n24.de/img/popup_zoom.php?img=netzeitung/732170_230476.jpg&isimperia=false&ivwpath=/politik&caption=Die%20verhafteten%20Terrorverd%E4chtigen&source=Foto:%20dpa
- Frankfurter Rundschau http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/thema_des_tages/thema_des_tages/?em_cnt=1204463&em_src=303936&em_ivw=dpa_thema
- Südwest-Presse http://www.suedwest-aktiv.de/landundwelt/hintergruende/3079426/artikel.php?SWAID=03f68f6f9223e8210c38f482d29841a1
- Rhein-Zeitung
http://rhein-zeitung.de/a/tt/t/ - Westfälische Rundschau http://www.westfaelische-rundschau.de/wr/wr.tdt.volltext.php?zulieferer=dpa&redaktion=bdt&dateiname=HAUPTGESCHICHTE-FESTNAHMEN_15540486.nitf&kategorie=&catchline=%2Fthema%2F&other=tdt&dbserver=1
Und dabei offenbart sich eben auch ein Zeichen von "Journalismus", das wir immer wieder beklagen. Die großen Online-Portale sehen nur nach vielen Redakteuren aus - in Wahrheit finden sich meist (fast) komplett übernommene Artikel der großen Agenturen. Die machen wenig Arbeit, das kann der Praktikant mal eben erledigen - Korrekturlesen und Endredaktion scheinen oft im Fremdwörterbuch zu stehen, denn zum Alltag zu gehören.
Schön z.B. bei der Westfälischen Rundschau zu sehen, da steht das schon als Variable in der URL "zulieferer=dpa". Genauso findet sich z.B. sehr häufig der Artikel "Glaubenskrieger namens Fritz" mit einem genauso einfallslosen Symbolbild naherzu identisch auf vielen Plattformen.
Es geht nur noch darum, auch darüber zu berichten - was berichtet wird ist erstmal egal. Dass der Leser diesen "Copy-Paste-Journalismus" nicht bemerkt und dass er die oft schlampige Arbeit, die gerade online immer wieder auftritt, auch noch "honoriert" ist ein Trugschluss.
Der Leser merkt, wenn Artikel voller Rechtschreibfehler sind - wenn online einem dauernd der gleiche Artikel angeboten wird. Und so fliegen hier immer mehr sogenannte "Nachrichtenportale" aus unseren Tickern und RSS-Feeds.
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