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Psychologen helfen Flutopfern

21.02.2005, (MR)

Die aktuelle Gehirn und Geist geht in einem Artikel auf die Hilfe deutscher Psychologen nach der Flutkatastrophe in Südostasien ein. Sie helfen Überlebenden und deren Angehörigen. Darunter befinden sich auch deutsche Touristen, die jetzt wieder zu Hause mit den Erlebnissen zurecht kommen müssen.

Nachfolgend geben wir einen Ausschnitt des Artikel aus der Gehirn und Geist wieder - mit freundlicher Genehmigung des Spektrum-Verlags.

"Der Tsunami, der am zweiten Weihnachtsfeiertag über die Küsten
Südostasiens hereinbrach, riss eine Viertel­million Menschen in den
Tod - und ließ Überlebende wie Angehörige schwer traumatisiert zurück.
Mit speziellen Therapieangeboten helfen deutsche Psy­chologen den
Heimgekehrten jetzt, ihre schrecklichen Erlebnisse zu bewältigen.

Der Schock über die verheerenden Folgen der Tsunami-Flutwelle sitzt
bei den Überlebenden - darunter auch viele deutsche Touristen - noch
immer tief. Bleiben ihre meist wir­ren Erinnerungen an Tod und
Zerstö­rung unbehandelt, droht dauerhaft seelischer Schaden: Bis zu
jeder zweite Betroffene könnte eine "posttraumatische
Belastungsstörung" mit den typischen Symptomen wie unkontrollierte
Flashbacks, dau­ernde Übererregung und Schlafstörungen entwickeln,
schreibt Günter H. Seidler in der neuen Ausgabe der Zeitschrift
Gehirn&Geist (3/2005).

Der Mediziner leitet die Sektion Psychotraumatologie der
Universitätsklinik Heidelberg und koordiniert im Rahmen einer
Initiative für "Nachsorge, Opfer- und Angehörigenhilfe" - kurz NOAH -
Hilfsan­gebote für Betroffene und ihre Angehörigen. Seidlers
Forschergruppe erstellte auch ein spezielles Behandlungskonzept für
die Traumaopfer: Es sieht zunächst eine mehrwöchige Gruppentherapie
vor, in der es vor allem darum geht, wieder neues Vertrauen in die
eigene Stärke zu ge­winnen. Sind die Patienten dann ausreichend
stabilisiert, beginnt die Konfrontation mit dem eigentlichen Inhalt
des Traumas.

Nur so, erläutert Seidler, sind die bedrückenden Bilder und
Erinnerungsfetzen in einen logischen Zusammenhang zu bringen - eine
Grundvoraussetzung dafür, dass die Flashbacks und einhergehende
Angstattacken verschwinden. Hierzu bietet sich etwa die EMDR-Methode
(Eye Movement Desensibilization and Reprocessing) an, die seit einigen
Jahren erfolgreich zur Behandlung psychischer Traumata eingesetzt
wird.

Nach Ansicht Seidlers kommt es insgesamt darauf an, die persönlichen
Ressourcen der Betroffenen zu reaktivieren -jene Strategien also, mit
denen die Betroffenen in der Vergangenheit bereits Trauer und Ängste
überwinden konnten. Deshalb hält der Traumaexperte vereinzelte
Ver­suche, auch die Flutopfer unter den Einwohnern in Fernost mit
west­lichen Therapiemethoden zu behandeln, für wenig Erfolg
versprechend. Vielmehr sollten eher landesübliche Rituale gestärkt
werden, etwa durch den raschen Wiederaufbau von Versammlungs- und
Gebetshäusern."
Quelle: Gehirn&Geist

Witere Informationen erhalten Sie unter:
www.gehirnundgeist.de

 

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