Der "Hamburger Bildungsstreit" ist zu Ende und mit ihm die Vision eines längeren gemeinsamen Lernens. Die Grundschule wird in Hamburg nicht auf sechs Jahre verlängert und damit geht das Gymnasium als "Gewinner" aus dem Volksentscheid hervor. Wie immer instrumentalisiert jeder in einer emotionalen Debatte das Thema und das Ergebnis für sich.
So schickt der Deutsche Philologenverband heute eine Pressemitteilung herum, in der er auf Grund des Hamburger Ergebnisses ein 10-jähriges Moratorium für strukturelle Eingriffe durch die Bildungspolitik fordert
Der Philologenverband kämpft für "sein Gymnasium" und möchte es in der jetzigen Form unbedingt erhalten - ok, als Verband erwartet man von Verbandspolitik auch nichts anderes:
"Vom Hamburger Bürgervotum geht ein Signal für ganz Deutschland und an alle
Landesregierungen aus, endlich von sinnlosen, teuren und unnützen Strukturreformen die Finger zu lassen und sich auf Steigerung der Unterrichtsqualität, intensive Frühförderung, mehr Ganztagsschulen
und bessere pädagogische Rahmenbedingungen zu konzentrieren. Es gibt in Deutschland keine gesellschaftliche Mehrheit für ein sogenanntes 'längeres gemeinsames Lernen', dessen Nutzen überdies von allen renommierten empirischen Bildungsforschern bezweifelt wird." (Quelle: PM Philologenverband)
So schön schwammig müssen Pressemitteilungen sein und immer maximal fordern. Klar, dass alle renommierten empirische Bildungsforscher das bezweifeln. Irgendwann bekommen die sicher auch einmal Namen.
Viel schöner - und mindestens ebenso provokant - ist der Bildungsjournalist Reinhard Kahl in einem Interview des MDR:
"Das Gymnasium ist in Städten wie Hamburg ja im Grunde die neue Hauptschule/Gesamtschule - wie man es nennen will - mit weit mehr als 50% der Kinder, die nach der Grundschule dahingehen, in bestimmten Stadtteilen sind es 90%." (Quelle: Interview MDR mit Reinhard Kahl)
Meine persönliche Meinung - ohne mich in die Hamburger Bildungsschlacht einmischen zu wollen:
Ein Moratorium für strukturelle Bildungsreformen ist eine lustige Forderung, aber so gut und ausgewogen kam mir unser BIldungssystem in den letzten Jahren nicht vor, als dass wir das Thema Strukturreform beenden sollten und könnten.
So lange Bildung aber ein Spielball im großen Interessenspiel ist, bei dem die Verbände sich immer an dem festklammern, was sie aktuell haben und die Parteien ihre Kompromisslinien ziehen, bis etwas herauskommt, hinter dem niemand mehr stehen kann, bleibt das Themenfeld unersprießlich: Fordern die Grünen 9 Jahre gemeinsames Lernen und ist die CDU ist für "wie gehabt", lautet der Kompromiss 6 Jahre Primarschule. Aber das ist eben ein Kompromiss und nicht der Stein der Weisen, wie Reinhard Kahl es so schön formuliert.
Aus diesem Grund - empfehle ich dann das Interview mit Reinhard Kahl im MDR:


Informationen zum Artikel
Kommentarbereich
0 Kommentar(e) zu "Primarschule - Bildungsstreit in Hamburg"Kommentare