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Bildungsbericht

Nationaler Bildungsbericht: Jeder Sechste ohne Berufsausbildung

17.06.2010, (RK)

17 Prozent der 20- bis 30-Jährigen in Deutschland haben keinen Berufsabschluss und befinden sich auch nicht mehr in Bildungsmaßnahmen. So lautet einer der besorgniserregenden Befunde des nationalen Bildungsberichts "Bildung in Deutschland, den die Kultusministerkonferenz gemeinsam mit dem Bundesbildungsminsterium heute in Berlin vorstellte.

Die Situation junger Menschen mit Migrationshintergrund ist noch dramatischer: Hier sind etwa 30 Prozent ohne Berufsabschluss. Bei Frauen türkischer Herkunft in dieser Altersgruppe sind es sogar fast die Hälfte. Auch wachsen dem Expertenbericht fast ein Drittel aller Kinder unter 18 Jahren in sozialen oder finanziellen Risikolagen oder bildungsfernen Elternhäusern auf. Ein Drittel der Kinder mit Migrationshintergrund besuchen Kindergärten, in denen mehr als die Hälfte der Kinder zu Hause nicht Deutsch spricht.

Positiv hingegen entwickelt sich der Anteil der Schülerinnen und Schüler mit Hochschulzugangsberechtigung. Dieser ist dem Bericht zufolge in den vergangenen Jahren gestiegen. Ebenso ist der Anteil der Schülerinnen und Schüler ohne Hauptschulabschluss rückläufig.

Positive Entwicklungen
„Der Bildungsbericht lässt positive Entwicklungen im Bildungsbereich erkennen", erläutert Professor Horst Weishaupt, unter dessen Leitung der Bildungsbericht erstellt wurde. „So gibt es zum Beispiel mehr Krippenplätze und die Zahl der Studienanfängerinnen und -anfänger sowie der Hochschulabsolventinnen und -absolventen steigt.“ Die Zahl der Studienanfänger hat laut Bericht einen neuen Höchststand erreicht: Die Studienanfängerquote übersteige mit 43 Prozent (2009) deutlich die Zielmarke von 40 Prozent.

Trotz Geburtenrückgang immer mehr Studierende
So erfreulich der politisch gewollte der wachsende Anteil Studierender ist: Angesichts der notorisch schlechten Ausstattung der Hochschulen kündigen sich hier neue Herausforderungen an. „Der schon in der Vergangenheit als „Überlast“ wahrgenommene Nachfragedruck wird zur „Dauerlast“, kommentierte Prof. Dr. Andrä Wolter, der für die Hochschul-Informations-System GmbH (HIS) am Bildungsbericht mitgearbeitet hat.

Hochschulpakt muss erweitert werden
„Eine Knappheit an Bildungsteilnehmern ist an den Hochschulen auch weit nach den doppelten Abiturientenjahrgängen nicht zu erwarten“, so Andrä. Bereits in den letzten beiden Jahren sei die Zahl der Studienanfänger so stark angestiegen, dass das Ziel des Hochschulpakts vorzeitig erreicht wurde. Bleibe der Trend stabil müsste der Hochschulpakt II, mit dem bis zum Jahr 2015 die hohe Studiennachfrage durch die doppelten Abiturjahrgänge in mehreren Ländern abgefedert werden soll, erweitert werden.

Beim Hochschulpakt, einer zeitlich begrenzten Vereinbarung, verständigten sich Bund und Länder auf eine gemeinsame Finanzierung mit der zusätzliche Studienanfängerplätze zur Verfügung gestellt werden sollen. (Mehr Informationen zum Hochschulpakt auf den Internetseiten des BMBF und der Bundesregierung)

Immer mehr Alte – Weiterbildung wird wichtiger
Eine der größten Herausforderungen der kommenden Jahre stellt den Bildungsexperten zufolge der demographische Wandel dar: Die Bevölkerung schrumpft und wird älter. So wächst dem Bildungsbericht zufolge der Anteil von Menschen über 65 Jahren bis zum Jahr 2025 um 21 Prozent. Auf der anderen Seite sinkt die Zahl der unter 30-Jährigen im selben Zeitraum um 16,4 Prozent von 25,5 auf 21,3 Mio. Entsprechend müssen die Deutschen immer länger arbeiten – und ihre Fähigkeiten und Kenntnisse dem dynamischen Arbeitsmarkt anpassen. Daher forderten KMK und BMBF einen Ausbau entsprechender Weiterbildungsangebote und Qualifizierungsmöglichkeiten.

Als Konsequenz aus dem demographischen Wandel leiten Bund und Länder die Herausforderung ab, sozial Benachteiligte und Menschen mit Migrationshintergrund durch deren Bildungsbeteiligung ins Arbeitsleben einzubinden. Hiervon hänge die wirtschaftliche und gesellschaftliche Zukunft Deutschlands ab, erklärten KMK und BMBF.

Hintergrund Bildungsbericht
Der alle zwei Jahre unter Federführung des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) erscheinende Bildungsbericht wird von einer unabhängigen Wissenschaftlergruppe  im Auftrag der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland (KMK) und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) erstellt.

Der Report analysiert das gesamte Bildungssystem: Von der frühkindlichen Bildung über das allgemeinbildende Schulwesen, die berufliche Ausbildung und die Hochschulbildung bis zur Weiterbildung im Erwachsenenalter. Als Schwerpunkt betrachtet der Bericht 2010 das Bildungswesen unter dem Gesichtspunkt des demografischen Wandels.

Der Autorengruppe gehören neben dem DIPF das Deutsche Jugendinstitut (DJI), die Hochschul-Informations-System GmbH (HIS), das Soziologische Forschungsinstitut an der Universität Göttingen (SOFI) sowie das Statistische Bundesamt und die Statistischen Ämter der Länder an.

Weitere Informationen

Eine Zusammenfassung sowie der ganze Bildungsbericht ist unter www.bildungsbericht.de

Pressemitteilung der KMK

Pressemitteilung des BMBF

 

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