Es ist immer wieder interessant Nachrichtensendungen miteinander zu vergleichen. Seit einigen Tagen gibt es aus meiner Sicht einen Unterschied: Die Tagesschau berichtet im Gegensatz zu (fast) allen anderen nicht über die Entführung von Madeleine.
Kurz zur Erinnerung - Madeleine ist das kleine Mädchen, das in Portugal entführt wurde. Im Fernsehen und Internet gibt es inzwischen dutzende Aktionen, Suchbilder etc. - doch in der Tagesschau ist mir der Fall bisher nicht begegnet.
Dabei liegt dies sicherlich nicht an der Herzlosigkeit der dortigen Redaktionen sondern vielmehr an Prinzipien rund um das Thema "Nachrichten", das in der Tagesschau wohl am konsequentesten umgesetzt wird. Einen ähnlichen Fall gab es Anfang des Jahres, als "Mitja" in Leipzig ermordet wurde - auch in diesem Fall berichtete die Tagesschau nicht. Dr. Kai Gniffke erläuterte dies im tagesschau-blog damals so:
"Die Zeitungen greifen es auf, und auch die anderen Fernsehsender gehen auf den Fall ein. Wir bleiben bei unserer Linie: Keine Berichterstattung über einzelne Kriminalfälle, wenn sie denn keine gesamtgesellschaftliche Bedeutung haben. Das klingt herzlos, weiß ich. Aber dem Himmel sei dank gehen die Tötungsdelikte mit Kindern seit Jahren zurück. Eine umfangreiche Berichterstattung über einzelne Fälle erweckt dagegen den gegenteiligen Eindruck." (Quelle: blog.tagesschau.de)
Und so verfolgt die Tagesschau auch jetzt die Linie, dass über einzelne Kriminalfälle nicht berichtet wird. Vielleicht auf den ersten Blick wirklich herzlos - aber ein Prinzip, das verständlich ist und sicher auch für die Qualität einer Nachrichtensendung steht, dass man nicht den Trends aller Agenturmeldungen folgt.
Und auch am Vorabend des Bundesligafinales war die Tagesschau konsequent - es äußerten sich keine "Offiziellen" zum letzten Spieltag, damit gab es keine aktuellen Bilder und auch keinen "Fußball-Beitrag" in der Tagesschau. Alle anderen packten wohl die Konservenbilder aus.
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