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Musiktherapie: Heilende Töne

13.02.2005, (MR)

Die aktuelle Ausgabe von Gehirn und Geist widemt sich unter anderem dem Thema Musiktherapie. So wird Musik z.B. inzwischen erfolgreich bei Migräne, in der Rehabilitation und auch bei Schlaganfällen eingesetzt.

Nachfolgend geben wir einen Ausschnitt des Artikels wieder - mit freundlicher Genehmigung des Spektrum-Verlags.

"Eine Migräne ist an sich schon schlimm genug - doch wenn Kinder von den berüchtigten Kopfschmerzattacken geplagt werden, liegt der Fall
besonders schwer. Denn bei Kindern wirken vorbeugende Medikamente
meist nur unzureichend. Wie die neueste Ausgabe (Heft 3/2005) des
Magazins für Psychologie und Hirnforschung "Gehirn&Geist" berichtet,
eröffnen sich nun neue Behandlungsperspektiven - durch gezielt
ein­gesetztes Musizieren: Eine Forschergruppe um Hans Volker Bolay am
Deutschen Zentrum für Musiktherapieforschung in Heidelberg
ent­wickelte ein alternatives Migräne-Prophylaxekonzept.

Die Wissenschaftler lassen ihre jungen Patienten in Einzelsitzungen
mit einem Therapeuten Musik machen, wobei das Kind entweder seine
Stimme benutzt oder leicht zu spielende Instrumente, denen man auch
ohne Vorbildung Töne entlocken kann. Mit Erfolg: Laut den Ergebnissen
einer gerade ausgewerteten Dreijahresstudie verringerten sich die
Kopf­schmerzen bei rund siebzig Prozent der getesteten Kinder nach
zwölf Therapiesitzungen mindestens um die Hälfte. Damit ging es den
kleinen Patienten hinterher deutlich besser als den Teilnehmern zweier
Ver­gleichsgruppen, die ein konventionelles prophylaktisches
Migränemedi­kament beziehungsweise ein Placebo erhalten hatten.

Auch bei anderen Erkrankungen scheint die Methode zu helfen. So
ver­doppelte eine zusätzliche Musiktherapie bei chronischen
Schmerz­patienten die Erfolgsrate der herkömmlichen medikamentösen
Behand­lung. Auch Menschen mit einem Nierenleiden kann eine
musiktherapeu­tische Übung die Angst vor der Dialyse so weit nehmen,
dass weniger Komplikationen auftreten. Und in der Geriatrie hilft
therapeutisches Musizieren dabei, Altersdemente besser in die
Gemeinschaft zu inte­grieren und ihr Wohlbefinden zu steigern.

Sogar in der Neurologie wird Musik inzwischen nutzbringend eingesetzt,
etwa bei Gehstörungen nach einem Schlaganfall. Die
"Rhythmisch-akustische Stimulation" (RAS) basiert auf der Beobachtung,
dass die Schrittsymmetrie sichtbar von Metronomschlägen profitiert -
wenn sie an die individuelle Schrittfrequenz angepasst sind. Diese
unbewusste Reaktion setzt Michael Thaut von der Colorado State
University nun bei der Rehabilitation von Schlaganfallpatienten ein.
Ein Musiktherapeut gibt hierbei den Takt auf einem Instrument vor,
zusätzlich kann der Patient auch mitsingen. Ergebnis: Nach
sechswöchigem Training hatten sich Gangrhythmus, Schrittlänge und
Schrittsymmetrie deutlich verbessert gegenüber einer Kontrollgruppe,
die lediglich ein konventionelles phy­siotherapeutisches Gehtraining
ohne RAS absolviert hatte.

Doch nicht nur aktives Musizieren, sondern auch das bloße Zuhören kann
das Befinden eines Menschen verbessern. Denn im Gehirn akti­viert
Musik - richtig eingesetzt - dieselben Belohnungszentren wie gutes
Essen, Drogen oder Sex und hebt entsprechend die Stimmung. Dies wird
bei der "rezeptiven Musiktherapie" genutzt. Hier geht der Therapeut
individuell auf den Patienten ein und berücksichtigt dabei seinen
persön­lichen Musikgeschmack. Nicht damit zu vergleichen sind
allerdings die manchmal im Handel angebotenen CDs gegen Schmerzen,
Schlaf­störungen oder Herz-Kreislaufprobleme. "Solche 'Musikpräparate'
sind ein netter Gag, letztlich aber eher Geldmacherei," meint dazu
Hans Volker Bolay vom Heidelberger Zentrum für Musiktherapieforschung.
"Ihre Wirkung ist in keiner Weise nachgewiesen."

Dennoch reagieren neuen Erkenntnissen zufolge die meisten Menschen
verblüffend ähnlich auf ein bestimmtes Musikstück - ganz unabhängig
von ihrer musikalischen Erfahrung. In einem weiteren Beitrag berichten
Forscher in "Gehirn&Geist", dass etwa der Beginn des Violinkonzerts
von Johannes Brahms oder die "Italienische Symphonie" von Felix
Mendelssohn bei quasi allen Zuhörern dieselben Emotionen hervorruft -
im einen Fall Gelassenheit, im anderen Freude. Das Titelthema des
Kinohits "Batman" wiederum lässt den meisten Menschen einen Schauer
über den Rücken laufen. Damit hatte der Komponist Joseph Haydn
(1732-1809) also tatsächlich recht, als er meinte: "Meine Sprache
ver­steht man auf der ganzen Welt.""
Quelle: Spektrum Verlag

Weitere Informationen erhalten Sie auch im Internet unter www.gehirnundgeist.de

 

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