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Morgen vor der Glotze - newTV-Kongress in Hamburg

Morgen vor der Glotze - newTV-Kongress in Hamburg

26.02.2010, (G)

Am 23. Februar 2010 lud Hamburg@work, die Hamburger Initiative für Medien, IT und Telekommunikation zum zweiten newTV-Kongress ins Millerntorstadion auf St. Pauli ein. Fast 200 Vertreterinnen und Vertreter der noch jungen Branche sowie langjährig etablierter Medienunternehmen – nicht nur aus der Hansestadt – folgten einem hoch komprimierten Veranstaltungsprogramm und diskutierten neue Entwicklungen und Zukunftsvisionen von Bewegtbild in Breitbandnetzwerken: newTV (Gastbeitrag von Björn Otte)

Als Hauptredner begann Rahul Chakkara, Leiter Future Media TV Platforms bei der BBC, mit der Vorstellung der Internet-Angebote der BBC, wie sie derzeit verfügbar sind und wie sie verfügbar sein werden. Die Dekade der Interaktivität habe bereits begonnen, so Chakkara. Der BBC iPlayer, der das Programm für verschiedenste Endgeräte mit Internetanschluss wie Computer, Spielkonsolen und Mobiltelefone aufbereitet, erfreut sich bereits großer Beliebtheit beim britischen Publikum. Vor allem wird es als „catch up service“ genutzt, als eine Möglichkeihillt des programmunabhängigen Konsums der Inhalte mit Abrufmöglichkeit zu jeder Zeit, ganz ohne Videorekorder. Anders als das deutsche Publikum zeigt man in Großbritannien bereits großes Interesse an interaktiven Zusatzangeboten: weiterführenden Informationen, zusätzlichen Videos und Quiz, wie sie etwa als Zusatzmaterial auf DVD und Blue-Ray für Filme schon angeboten werden. Vorreiter und treibende Kraft ist die BBC bei der Entwicklung einer standardisierten Set-Top-Box für den Fernseher, die gleichzeitig an die Rundfunkantenne und das Breitband-Internet angeschlossen ist. Sie soll spätestens zu den Olympischen Spielen 2012 für umgerechnet unter 30 EUR erhältlich sein und unabhängig von weiteren Abonnements ein umfassendes Programm verfügbar machen, bei dem man Zugriff auf alle Programminhalte, unterschiedliche Kameraperspektiven und Zusatzinformationen hat. Direkte Kommunikationsmöglichkeiten wie Chats sind direkt integriert. Komplett mit der Fernbedienung navigierbar wird dies im gewohnten Umfeld ein völlig neues Medienerlebnis einläuten.

Nachdem Robert Seeliger vom Fraunhofer Institut verschiedene technische Entwicklungen aufgezeigt hat, ging Jan Wendt, Geschäftsführer der Beratungsfirma MediaManagementHamburg, auf erfolgreiche und weniger erfolgreiche Ansätze der letzten Zeit ein. Wendt konstatiert, die Konsumenten seien inzwischen reif für interaktive Medienangebote und verfügten auch über die technischen Voraussetzungen. Vielen visionären Anbietern mangelt es jedoch nach wie vor an Konzepten um mit ihren Ideen Geld zu verdienen: Etwa haben viele Anbieter von Bewegtbildern keine Möglichkeit, effektive Werbung zu platzieren. In der späteren Panel-Diskussion wurde deutlich, dass Wendt die Zukunft vor allem in Abonnementmodellen sieht. Er hält es für möglich, dass bald Anbieter subventionierte Fernsehgeräte zu diesen Abonnements bereitstellen, wie es heute bereits für Mobiltelefone Standard ist.

Vorbildcharakter hat in dieser Branche das iPhone, das durch eigene Software und einen eigenen umfassenden Onlineshop des Produzenten Apple eine „tropfenfreie Wertschöpfungskette“ ermöglicht, wie es Gert von Manteuffel, Senior Vice President IPTV der Deutschen Telekom, in der Diskussion ausdrückte. Doch davon ist newTV trotz fundierter Ansätze wie dem Abrechnungssystem von teveo interactive, das der Geschäftsführer Andreas Karanas vorstellte, noch weit entfernt.

Einen krönenden Abschluss, dem nichts mehr hinzuzufügen war, lieferte nach zwei weiteren Vorträgen zu Inhalten und Finanzierungsstrategien Norbert Hillinger von der Agentur TrendONE mit einer Reise in die Zukunft. Nach der Vorstellung von Hillinger und Kollegen wird es in zehn Jahren nicht mehr erforderlich sein, vor womöglich viereckigen Bildschirmen zu sitzen, um moderne Medien zu konsumieren. Wie es schon heute in Autos der Luxusklasse Standard ist, wird man sich Informationen des Navigationssystems ins Auge einblenden lassen, Menschen durch automatische Netzabfragen auf einen Blick identifizieren und multimediale Spiele spielen, wo immer es langweilig ist – ganz ohne Gameboy. Hillingers Prophezeiung ist nicht aus der Luft gegriffen, wie er in der anschließenden Argumentationskette zeigt. Viele der Technologien existieren bereits. Beispiele wie das „EyePet“ und der Dienst „Layar“ lassen sich leicht über Suchmaschinen finden. An allem, was noch fehlt, wird schon heute geforscht. Wer zu den ersten Nutzern gehören möchte, kann sich schon einmal die neuartige Bewegungssteuerung „Project Natal“ für die Spielekonsole Xbox 360 auf den Wunschzettel schreiben und sich überlegen, ob es in der Zukunft zunächst eine Kontaktlinse als Bildschirmersatz sein darf oder gleich der implantierte Chip im Auge.

Autor: Björn Otte

Lesen Sie auch:
newTV: Das MTV der Zukunftsmusik und die neue Macht der Fernbedienung

Links:
#newtv10
http://newtv-kongress.de/

http://www.hamburg-media.net/

http://www.bbc.co.uk/iplayer/

 

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