Kontakt  Presse  reticon-Redakteure   Impressum   Datenschutz  
reticon Bildung und Neue Medien
reticon - Bildung und Neue Medien

Mobbing in der Schule

16.09.2004, (MR)

Nachfolgend ein Ausschnitt aus der aktuellen Gehirn und Geist (05/2004), mit freundlicher Genehmigung des Verlags:

Mobbing oder "Bullying" macht so manchem Schüler das Leben zur Hölle. Münchener Forscher haben jetzt herausgefunden: Der alltägliche Klassenkampf geht nicht nur auf Kosten Einzelner, sondern aller Kinder in der Gruppe.

Jedes siebte Schulkind in Deutschland leidet unter Ge­waltattacken seiner Mitschüler. Dies berichtet Mechthild Schäfer, Privatdozentin am Institut für Psychologie der Ludwig-Maximilians Universität München, in der neuen Ausgabe von Gehirn & Geist (05/2004). Das Repertoire der Täter reicht dabei von verbalen Demütigungen bis zu körperlichen Übergriffen.
Die Forscherin hat mit ihrer Arbeitsgruppe über mehrere Jahre hinweg das Verhalten von Schulkindern an ver­schiedenen Grund- und weiterführenden Schulen unter­sucht. Ergebnis: Bereits bei den ganz Kleinen kommt es zu wiederholter, systematischer Schikane gegen Schwä­chere.
Doch in der Grundschule ist die Gefahr noch relativ ge­ring, dauerhaft zum Sündenbock gestempelt zu werden. Kinder entwickeln in diesem Alter ein sehr stark ausge­prägtes Unrechtsbewusstsein: Sie treten deshalb einfach zurück und setzen sich aktiv gegen ihre Angreifer zur Wehr. Da außerdem die für Jugendliche typische Cliquen­bildung erst später einsetzt und die Kinder noch gerne in Zweier- und Dreiergruppen zusammen sind, können po­tenzielle Mobbing-Opfer kratzbürstigen Kameraden leich­ter aus dem Weg zu gehen.
Mit dem Übergang zur weiterführenden Schule ordnen sich Kinder aber in größere soziale Netzwerke ein und bilden feste Rangordnungen aus. Jetzt gelten, so die Münchner Forscher, Mobbing-Täter innerhalb der Klasse als beliebt, und ihr aggressives Tun wird von der Gruppe oft akzeptiert. "Unsere Studie zeigt weiter, dass neun von zehn Schülern genau definierte Rollen beim Bullying ein­nehmen", erklärt Mechthild Schäfer.
Neben Opfern und Tätern sind dies vor allem Verteidiger, unbeteiligte Mitläufer, Assistenten oder Verstärker. Die meisten Kinder schlagen sich auf die Seite der Bullies - auch wenn sie die Täter "lediglich" anfeuern oder die Augen vor den Gewalttaten verschließen. Nur wenige finden den Mut, sich für einen regelmäßig ausgegrenzten Mitschüler stark zu machen.
Weil fast die ganze Klasse beteiligt sei, genüge es nicht, nur die Beziehung zwischen Opfer und Täter zu betrach­ten. "Mobbing unter Schülern wird von vielen Lehrern und auch von staatlichen Stellen falsch verstanden, und es wird falsch reagiert", erklärt Schäfer noch. Gerade am Be­ginn eines Ausgrenzungsprozesses stehe ein großer Teil der Klasse insgeheim auf Seiten der Opfer. "Dieses Po­tenzial muss man als Lehrer stärken und der Klasse klar­machen, dass es uncool ist, jemand rauszuboxen", so Schäfers Rat an Lehrer und Eltern.

Weitere Informationen, Hilfe und Anregungen für Lehrer unter:
http://mobbingzirkel.emp.paed.uni-muenchen.de

Weitere Informationen zu Gehirn und Geist erhalten Sie auch unter:
http://www.gehirnundgeist.de

| More

Informationen zum Artikel

Verwandte Reporte

myreticon

E-Mail
Passwort Login

Infos & Hilfe | Registrieren

Kostenlose Newsletter

Wöchentliches Newsletter
Tägliche Medientipps

E-Mail:  

reticon-Quiz

Die Wissenschaft vom Menschen heißt
Ihre Antwort:
 

» Alle reticon Quiz-Fragen

Sprüche & Zitate

Ich bin dein Ismus, du sollst keine anderen Ismen neben mir haben.

Wolfgang Eschke

blogoscoop