In Offenburg werden 110.000 Euro in ein biometrisches System zum Bezahlen des Schulessen an sechs Ganztagsschulen investiert. Die Schülerinnen und Schüler sollen dann mit ihrem Fingerabdruck das Essen bezahlen. Was sich nach Orwell kombiniert mit erstem April anhört, ist wohl schon beschlossene Sache.
Nach futurezone (ORF) haben auch heise und netzpolitik darauf verwiesen. Die ganze Aktion klingt wirklich abstrus, als Grund für die Abnahme des Fingerabdrucks bei den Jugendlichen wird angeführt:
Richtig schön ist, dass Schüler, die nicht an dem "Fingerabdruck-Bezahlsystem" teilnehmen wollen im Regulärbetrieb einen höheren Preis für das Essen bezahlen sollen. Dazu kommt noch, dass wie heise berichtet das ganze datenschutzrechtlich ziemlich bedenklich sein dürfte:
"Im Gegensatz zu Chipkarte und Bargeld sei das auf Körperdaten basierende Bezahlsystem sicher und zugleich wirtschaftlich, sagte Jopen. So könne etwa der Verlust oder Diebstahl von Karte oder Geld verhindert werden. Der Datenschutz werde garantiert, weil nur Name und Bankverbindung der Schüler gespeichert würden. Abgebucht wird laut Angaben automatisch." (Netzpolitik)
Von den teilnehmenden Schülern wird die Name, Bankverbindung und Fingerabdruck gespeichert - nicht etwa bei der Schule sondern bei dem kommerziellen Anbieter des Essens.
"Hintergrund ist eine Sondervereinbarung, mit der sich die Stadtverwaltung der datenschutzrechtlichen Verantwortung entzieht. Zwar tritt die Stadt als Käufer des Systems auf, sie überträgt dieses aber an den gewerblichen Anbieter. Produziert und an die Schulen geliefert wird das Essen von den Großküchen der Messe Offenburg." (Quelle: heise)
Nur einige Anmerkungen dazu:
Biometrie-Systeme sind völlig zu Recht in der Diskussion sowohl bei IT-Leuten, Datenschützern und gesellschaftlich Engagierten. Der Reisepass, der zukünftig einen Fingerabdruck enthalten wird gehört hier an erster Stelle der Diskussion genannt. Junge Menschen an diese Systeme möglichst früh zu gewöhnen finde ich äußerst bedenklich.
Ob die Technisierung uns immer weiterhilft alles zu optimieren - die 110.000 Euro hätte man schließlich auch in Jobs in den Ganztagsschulen investieren können. Und dem Kopfrechnen beim Bezahlen schadet Bargeld sicher auch nicht. Immerhin reden wir hier nur von 5.000 Schülern an 8 Schulen.
Schade ist, dass sich in der Lokalpolitik wohl nur Bündnis90/Die Grünen vergeblich dagegen gestemmt haben.
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