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MeinProf - Top oder Flop?

10.03.2007, (JA)

Nach den Netzwerkportalen wie XING und studiVZ kommen jetzt die Public-Ranking-Portale: Bei MeinProf.de kann jeder Hochschullehrende nach Herzens Lust bewerten oder verreißen. Zu dieser öffentlichen Kritik an der Qualität der Lehre in Deutschland passt eine kürzlich vorgestellte Studie zweier Mitglieder der Zunft: Per bundesweiter Anzeige hatten sie nach Professoren für repräsentative Tätigkeiten gesucht. Für Dienstwagen und gutes Geld waren auf Anhieb 44 Kollegen bereit, ihre eigentlichen Beamtenpflichten zu vernachlässigen.

Darauf haben Studierende gewartet: Endlich können sie ihre Hochschullehrer anonym und für jeden sichtbar bewerten - MeinProf.de macht's möglich! Statt der langweiligen hochschulinternen Evaluation zur halbherzigen Qualitätssicherung lobt man nun im Internet und empfiehlt den engagierten Dozenten weiter - oder prangert ihn öffentlich an. So kann man im von einer studentischen Beratungsinitiative erdachten Portal die Top- und Flop-Listen einsehen, ob bundesweit, in der Region oder an der eigenen Hochschule. Natürlich erleichtert eine Sortierung nach Fächern die Darstellung und man kann auch gezielt nach Namen und damit aktuellen oder ehemaligen "Bekannten" suchen.
Allerdings ist die Bewertung höchstens in Sachen Masse signifikant: Jeder angemeldete Nutzer kann, Pseudonym genügt, beliebig neue Dozenten und Kurse anlegen und bewerten, was das Zeug hält. Einzig Mehrfachbewertungen sind nicht zulässig genau wie nicht wahrheitsgemäße oder ehrverletzende Aussagen (so appelliert zumindest ein etwas hilflos wirkender Hilfetext an den Benutzer). Kontrollfragen wie ein markanter Inhalt des Kurses o.ä. sind nicht vorgesehen: Bewerten geht über Studieren.
Zurzeit dominieren Juristerei und Wirtschaftswissenschaft das Portal, vermutlich ist hier die "Internet-Affinität" besonders groß oder aber die Lust am Bewerten und Weitersagen. Gleichwohl kommen viele ProfessorInnen gut weg in den Augen der Studierenden: Auf Anhieb fanden sich bei Stichproben viele "Einser-Kandidaten" und nur wenige klare "Lehr-Looser". Bleibt also zu hoffen, dass das Portal sich wegen Masse und Engagement der Studierenden wirklich als nützlicher Wegweiser im Dschungel der Hochschullehre erweisen wird.
Die in der klaren Mehrzahl guten Bewertungen passen nicht ganz zu den üblichen Skandalen und Skandälchen, wie man sie an wohl jeder Hochschule im Flurfunk zu hören bekommt. Dieser Sicht auf Universitätsinterna entspricht hingegen eher eine kürzlich vorgestellte Studie zweier Fachhochschulprofessoren: In einer renommierten Zeitung hatten diese als Journalisten getarnt gezielt KollegInnen an- bzw. abgeworben. Für Dienstwagen und fürstliche Entlohnung sollten BewerberInnen bereit sein, zwei bis
drei Tage die Woche für repräsentative oder beratende Tätigkeiten zur Verfügung zu stehen. Kleiner Haken an der Sache: Das Beamtenrecht sieht in der Regel maximal einen Wochentag für Tätigkeiten außerhalb der Hochschul-Dienstpflichten vor.
Doktoranden bestätigen den Autoren der Untersuchung zufolge aber genau das Ergebnis dieser Werbekampagne: 44 KollegInnen hatten sich spontan für die lukrative Nebentätigkeit beworben und hätten ergo mit großer Wahrscheinlichkeit ihre Lehrverpflichtung in dieser Zeit an Hilfswissenschaftler abgetreten - zu Lasten von deren Forschungsaufgaben. Pikantes Detail: Nicht nur die eigenen Mitarbeiter oder Studierenden wären von einer solchen Nebentätigkeit betroffen gewesen, sondern auch die eigene Hochschule, da mehrere Bewerbungen auf dem Briefpapier der alma mater verfasst und mit deren Porto frankiert waren.
Bleibt also ein zwiespältiges Ergebnis, wie es auch die Studienleiter formulieren:
Es gibt sicher viele engagierte und gute Hochschullehrer, aber auch genügend (zu viele?) andere...

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