Am 09. März 2010 sendet das ZDF um 22:15 Uhr im Rahmen der Reihe 37 Grad die Dokumentation "Wo die starken Kerle wohnen" - es geht um 10 Jungen, die alle mit der Diagnose "ADS" zwei Monate auf einer Alm einem Experiment nachgehen dessen Ziel es ist auf die medikamentöse Behandlung zu verzichten. Organisiert wird das Projekt von Professor Gerald Hüther.
Die rein medikamentöse Behandlung von dem, was landläufig (recht schnell) mit ADS oder auch ADHS um- oder beschrieben ist in vielen (vor allem pädagogischen Kreisen) heftig umstritten. Trotz allem nimmt die medikamentöse Behandlung immer weiter zu in den letzten Jahren. Das Experiment von Prof. Hüther geht hier einen ganz anderen Weg, der viel mehr auf Bildung, Selbstständigkeit, Verantwortung - Stichworte, mit denen ich mich viel eher verbunden fühle. Interessant für mich ist in diesem Zusammenhang auch, dass mit Prof. Hüther ein Hirnforscher eigentlich die "klassischen pädagogischen Ansätze" verfolgt. Ob das nun immer mit zwei Wochen "Erlebnis-Pädagogik" auf einer Alm starten muss sei dahingestellt, dass vielfach aber die Möglichkeiten der pädagogischen Elemente unterschätzt werden ist für mich bedauerlich und mir wird einfach zu häufig nach dem "Notnage Medikament" gegriffen.
Nachfolgend die Presseinformation des ZDF (deren Titel: "Zappelphilipp auf der Alm" fand ich dem Thema gegenüber recht unangemessen) und einige weiterführende Links zum Thema:
- ZDF: 37 Grad : Wo die starken Kerle wohnen
- Artikel bei Winfuture zu ADHS
- Interview mit Prof. Hüther in Psychologie heute
- Sinn Stiftung - Kinder lernen Zukunft
(Wissenschaftliche Leitung liegt bei Prof. Hüther)
"Zappelphilipp auf der Alm: ZDF-Dokumentation über ADS-Kinder und einen ungewöhnlichen therapeutischen Versuch Sie gelten als Zappelphilipp und Störenfried, fallen in Kindergarten und Schule durch Unruhe, Konzentrationsschwäche und Aggressivität auf: Kinder, die am Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom, kurz: ADS, leiden. Sie werden immer nur durch ihre Defizite definiert, erleben viele Frustrationen und werden häufig mit dem umstrittenen Medikament Ritalin behandelt. Dass es auch anders geht, zeigt die 45-minütige Dokumentation "Wo die starken Kerle wohnen", die das ZDF am Dienstag, 9. März 2010, 22.15 Uhr, in seiner Reihe "37°" ausstrahlt. Die Autoren Katharina Gugel und Ulf Eberle haben mit der Kamera ein zweimonatiges Experiment begleitet, bei dem ADS-Kinder auf einer 2400 Meter hoch gelegenen Alm in Südtirol ohne ihre Eltern einen neuen Anfang suchen. Die Organisatoren des Alm-Projekts um den Hirnforscher Professor Gerald Hüther wagen einen ambitionierten Versuch: Sie setzen die Tabletten ab und hoffen, dass die Erfahrungen auf der Alm den Kindern helfen werden, auch danach selbstbestimmt und ohne Medikamente in ihren Familien leben zu können. Ganz nahe an der Natur, ohne Playstation, Handy und Medikamente sollen der neunjährige Adrian und zehn andere Jungs eine neue Selbsterfahrung machen. Sie melken Kühe, hacken Holz, sammeln Kuhfladen, angeln Fische - und können sich tatsächlich in neuen Räumen und Beziehungen ausprobieren. Schon nach wenigen Wochen sind die Kinder viel ruhiger geworden, übernehmen selbstständig Aufgaben, ordnen sich in die Gruppe ein - alles Dinge, die selbst ihre Eltern nicht für möglich hielten. Der Film führt nicht die Diskussion, ob ADS genetisch bedingt oder "anerzogen" ist. Er zeigt aber, dass in unserer Gesellschaft abweichendes Verhalten schon bei Kindern sanktioniert wird; wer nicht funktioniert, scheitert. Nach Auffassung von Professor Hüther haben Kinder in unserer Gesellschaft viel zu wenig Raum, sich zu entfalten und auszuprobieren. Er bestärkt die Eltern darin, stolz auf ihre Kinder zu sein, die starke, kreative Persönlichkeiten seien - für viele Eltern ist es das erste Mal, dass sie etwas Positives über ihr Kind gesagt bekommen. Der Film begleitet die Kinder auch nach der Rückkehr in ihr normales Leben. Wie lange sie in den alten Strukturen ihr neu gewonnenes Selbstbewusstsein aufrechterhalten können und ob sie die Medikamente weiterhin weglassen, inwieweit also das Alm-Experiment Langzeitwirkung entfaltet, bleibt offen. Doch eines zeigt der "37°"-Film sehr deutlich: Es könnte auch ganz anders sein… Direkt im Anschluss, um 23.00 Uhr, wird das Thema auch bei "Markus Lanz" aufgegriffen. Neben Adrian und seiner Mutter sind auch Professor Hüther und andere Experten zum Thema ADHS zu Gast." (Quelle: ZDF)
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