Bundesbildungsministerin Schavan hat heute den Abschlussbericht einer BMBF-Expertenkommission zur Medienbildung vorgestellt: "Kompetenzen in einer digital geprägten Kultur" heißt die vorgelegte Studie, die den Versuch einer Definition wagt, welche Fähigkeiten heutzutage Voraussetzung sind, um Medien sinnvoll zu nutzen.
Definiert wird jedoch nur, dass der "gebildete Mensch" angemessen mit den Dingen umgehen kann - an/mit denen er sich bildet. Das gilt dann oft auch in anderen Bereichen und ist keineswegs eine "neue Debatte".
Auf insgesamt 10 Seiten umreißen die Autoren das Thema und sehen Medienbildung anscheinend in einer Art Nachfolge zur Medienkompetenz. Interessanterweise verwenden sie von Beginn an die nicht weiter eingeführte Definition "digitale Medien", womit implizit unterstellt wird, dass der entscheidende Unterschied in der Digitalität liegt.
Wer sich für das durchaus interessante Feld der Begriffsdefinitionen interessiert, dem empfehle ich Lev Manovich "The Language auf New Media", das mir vor nun schon einigen Jahren eine ganz andere Perspektive auf die damals "Neuen Medien" eröffnet hat. Manovich setzt auf die Rekombinierbarkeit von Information, die mit digital und analog erstmal nichts zu tun hat, aber über die sich viele Eigenschaften viel besser erfassen lassen.
Aber zurück zum Expertenbericht - es werden vier grundlegende Kompetenzen ausgemacht:
"1. Information und Wissen
2. Kommunikation und Kooperation
3. Identitätssuche und Orientierung
4. Digitale Wirklichkeiten und produktives Handeln"
(Quelle: "Kompetenzen in einer digital geprägten Kultur")
Im Weiteren werden dann die jeweiligen Punkte mit (etwas) Inhalt gefüllt, dabei führt die Fokussierung auf "digital" zu einer meiner Einschätzung nach teilweise verzerrenden Darstellung. Im dritten Punkt wird kritisch angemerkt, dass ein veraltetes Berufsbild über Technikberufe existiere. Medienbildung wird dabei mit technologischer Bildung gleichgesetzt. Auch der vierte Punkt und anschließend das Fazit und die Empfehlungen bieten nichts wesentlich Neues.
Würde man in dem Dokument den Begriff "Medienbildung" durch "Medienkompetenz" ersetzen, ergäbe sich so einiges, was man schon in ähnlicher Form gelesen hat. Dies soll jedoch keine Kritik an den Autoren sein, es wird ja dadurch nicht "falsch".
Mir stellt sich vielmehr immer wieder und häufiger die Frage, ob wir solch eine explizite "Medienbildung" wirklich benötigen bzw. wieso es nötig ist, immer noch zu fordern, dass dies Bestandteil z.B. von Ausbildung sein soll. Universitäten sollten das seit 10 Jahren und länger fest im Programm haben.
Ein Fazit zieht selbst die Pressemitteilung des BMBF: "Eine Quintessenz aller dieser Diskussionen ist die Forderung nach dem urteilsfähigen, kompetenten Nutzer." (Quelle: BMBF)
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