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Lob und Tadel für Manifest

12.12.2004, (MR)

Die Neurowissenschaften allein werden das Rätsel des mensch­lichen Geistes nicht lösen - meinen Vertreter aus Psychologie, Philosophie und Biologie in Kommentaren zum "Manifest der Hirnforschung" in Gehirn&Geist. 

Nachfolgender Text ist ein Auszug aus der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Gehirn&Geist.
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Spektrum-Verlags.

Von "latenter Anmaßung" (NZZ) bis "Meisterwerk" (FAZ) reichte das Spektrum der Medienreaktionen auf das Manifest der Hirnforschung. Exklusiv in Gehirn&Geist (Heft 6/2004) hatten elf führende deutsche Neurowissenschaftler über Stand und Zukunft der Hirnforschung be­richtet. In der neuen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins (Heft 7/2004) nehmen nun Forscher verschiedener Nachbardisziplinen Stellung zu dem Papier.

Der Bamberger Psychologe Dietrich Dörner lobt die Manifest-Autoren - darunter Gerhard Roth und Wolf Singer - für ihr Eingeständnis, was Hirnforscher heute alles noch nicht wissen. Insbesondere über das Zusammenspiel größerer Netzwerke von Nervenzellen im Gehirn sei derzeit erschreckend wenig bekannt. Auf der Basis dieses Wissens könne man etwa die Vorstellung eines freien Willens un­möglich ad acta legen, wie dies vereinzelt vorgeschlagen wurde. Die Aufgabe von Psychologen sei es, so Dörner, die theoretischen Modelle zu entwerfen, nach denen Hirnforscher die neuronalen Grundlagen von Denken, Fühlen und Handeln aufspüren könnten.

Der Philosoph Matthias Kettner von der Universität Witten-Herdecke begrüsst vor allem den Aufruf zum Dialog zwischen Natur- und Geistswissenschaften. Statt philosophische Fragen schlicht vom Tisch zu wischen - wie es bislang oft der Fall war -, sollten Hirn­forscher gemeinsam mit Philosophen über ein neues, zeitgemäßeres Menschenbild diskutieren. Dabei dürften aber auch unsere soziale und kulturelle Prägung nicht zu kurz kommen, denn Menschen seien mehr als "isolierte Gehirne".

Der Biologe und ehemalige Max-Planck-Präsident Hubert Markl hin­gegen glaubt nicht, dass ein grundlegend neues Menschenbild in Sicht sei. Trotz eines rasanten Erkenntnisfortschritts und immer aus­gefeilterer Forschungsmethoden in der Neurobiologie könnten wir die große Frage, wie Gehirn und Geist, Körper und Seele zusammen­hängen, vermutlich niemals abschließend beantworten, sondern immer nur auf neue Weise stellen.

Im Internet finden Sie Gehirn&Geist unter:
http://www.gehirn-und-geist.de

 

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