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Leonardo Da Vinci - Erfinder und Ingenieur: Beeindruckende Ausstellung mit realisierten Modellen nach den Skizzen Leonardos

Leonardo da Vinci: Entwurf eines Helikopters, Bildquelle: Wikipedia

Leonardo Da Vinci - Erfinder und Ingenieur: Beeindruckende Ausstellung mit realisierten Modellen nach den Skizzen Leonardos

01.03.2010, (MD)

Leonardo Da Vinci (1452-1519) war weit mehr als nur der Maler der Mona Lisa. Er hatte ein unermessliches Bedürfnis, die Welt zu ergründen und zu verstehen.

So sperrte er Fliegen in Schachteln, um ihre verschiedenen Summgeräusche und Tonhöhen zu erforschen. Er lauschte stundenlang mit einem Rohr in das Wasser eines Flusses hinein, um die Verbreitung des Schalls zu studieren.

Er befasste sich mit Geometrie, Bewegungswandlung, Hub- und Fördertechnik, entwickelte Maschinenelemente, Mess- und Fluggeräte, Bühnenbilder und Musikinstrumente. Er befasste sich mit Versuchen auf dem Gebiet der Optik und erschloss sich auf diesem Wege u.a. die theoretischen Grundlagen des seine Malerei stark prägenden sogenannten „sfumato".

Beobachtung und Zeichnung waren für Leonardo das Forschungsinstrument schlechthin. So analysierte er - schon immer fasziniert vom Fliegen - den Flug der Vögel. In seinen Zeichnungen bildete er zunächst fliegende Vögel naturgetreu ab, beobachtete erneut, veränderte, reduzierte, stilisierte, bis er schließlich den Vogelflug wie in einer technischen Zeichnung erfasst hatte und damit die Mechanik des Fliegens ergründete. Leonardo gilt mit diesen präzisen  Experimenten und Forschungsdokumentationen heute als einer der Wegbereiter der Aerodynamik.

Leonardo Da Vinci konstruierte in seinen Zeichnungen aber auch militärische Festungsanlagen und Gerätschaften, Brücken, Scheinwerferlampen,  hydostratische Laborgeräte; er schaffte kartographische Werke und zeichnete anatomische Zusammenhänge, die er u.a. über das Sezieren von Leichen ergründet hatte. Er studierte dezidiert die Mechanik des Sehens und der Perspektive. Er entwickelte Pläne für Schifffahrtskanäle und Gebäude. Auf ihn geht ein ausgetüfteltes Bronzegussverfahren für Großskulpturen zurück, und zahlreiche per Zeichnungen dokumentierte Erfindungen wurden erst viele hundert Jahre später tatsächlich entwickelt wie z.B. das Kugellager.

Hätten aber die Erfindungen dieses Genies, das nie eine solide Schulbildung erhielt und nicht zur Universität gehen konnte, auch tatsächlich funktioniert? War Da Vinci der Spinner, für den ihn viele seiner Zeitgenossen hielten, oder ein genialer Wegbereiter der modernen Forschung und Technik?

Diese Fragestellungen werden seit dem Wintersemester 2004/ 2005 im Rahmen der prüfungsrelevanten Projektarbeiten im Studiengang Produktentwicklung, Fachbereich Ingenieurwissenschaften und Mathematik, an der Fachhochschule in Bielefeld bearbeitet. Unter Prof. Dr. Horst Langer bauten die Studierenden in Teams von 10 bis 15 Konstrukteuren über 70 Modelle nach den zeichnerischen Vorgaben Leonardos aus seinen Skizzenbüchern nach. Und sie konnten beweisen: Die meisten Konstruktionen von Leonardo Da Vinci sind tatsächlich funktionsfähig.

In diesem ungewöhnlichen Hochschul-Projekt, das Kunst, Historie und Technik miteinander in Verbindung bringt, sind beeindruckende und in ihrer Funktion aktiv bedienbare (technische) Geräte und Maschinen entstanden, von denen über 60 Exponate in einer absolut sehens- und erlebenswerten Ausstellung des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) im Ziegeleimuseum in Lage zu bestaunen und auszuprobieren sind. Trommelmaschinen können dort genauso in Gang gesetzt werden wie Steinbohrer, Nockenhammer oder Kettenantriebe, Schwenkbrücken, Wasserschrauben, Kugellager oder Schwimmbagger.

Umrahmt wird die Ausstellung, die bis zum 30. Mai 2010 zu erleben ist, von einem umfangreichen Programm an Vorträgen und Workshops. Sehr sehens- und lesenswert ist der Begleitkatalog „Leonardo Da Vinci: Bewegende Erfindungen" von Prof. Dr.-Ing. Horst Langer und Jana Mielke, in dem man nicht nur feine Details nachlesen kann. Ganz besonders überzeugen die verständliche Schreibweise, die ästhetisch klare Aufmachung und nicht zuletzt die originelle Einlage einer Spiegelpappe, denn: Der Linkshänder Leonardo Da Vinci hat fast alle seine Aufzeichnungen in Spiegelschrift notiert. Auch in diesem Punkt wird das Genie ganz und gar ernst genommen und gewürdigt.

Informationen zur Ausstellung:

 

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