Der Hinrichtung Saddams widmeten wir uns auf reticon ja nur kurzzeitig und eher unter medienkritischen Gesichtspunkten "Voyeurismus der Medien". Ein letzter Kommentar dazu: Die Medien bedienen hiermit sicherlich auch eine entsprechende Nachfrage.
Die Erkenntnis ist zuerst einmal banal - schließlich verkauft sich BILD ja auch weiterhin ziemlich gut. Aber auch wir auf reticon haben die Nachfrage nach voyeuristischen Inhalten die letzten Tage gesehen. Wo? In unseren Statistiken - dort wird tageweise ausgewertet, über Welche Weblinks unsere Leser zu uns kommen. Wenn jemand über eine Suchmaschine zu uns stößt, enthält der Referer u.a. auch die Suchbegriffe, über die der/die Betreffende zu uns gekommen ist.
Nachdem wir - aus ganz medienkritischen Gründen - über die Hinrichtung Saddams berichteten, bekamen wir von Google & Co. kurze Zeit später jede Menge Besucher zugespült, die über Suchanfragen wie "Saddam Hinrichtung Bilder/Video" etc. auf uns verwiesen wurden. Bilder und Video gibt es dazu bei uns nicht - es zeigt uns aber einfach die Nachfrage auch auf "Konsumentenseite" und erklärt damit sicherlich auch die diversen Bilder, die sich auch weiterhin auf den großen Medienseiten finden - während die Journalisten über den "Nachrichtenwert" der Bilder streiten. Die Videobörsen à la Youtube gehen derweil unter in Videozusammenschnitten zur Saddam-Hinrichtung, Handy-Mitschnitte der Hinrichtung kursieren.
Uns ist sicher so ziemlich jeder Leser willkommen - und wir wollen uns nicht als Moralapostel präsentieren, wirklich keine schöne neue Medienwelt - aber sicherlich ein Abbild der Gesellschaft. Wir machen hier den Deckel zum Thema Saddam zu - und Bilder gibt's dazu auch weiter nicht.
Beachten Sie zu dem Thema auch den Artikel Im Angesicht in der Online-Ausgabe der Frankfurter Rundschau:
"Saddams Hinrichtung ist ein Tyrannenmord zweiter Klasse, die Ansicht des Videos in diesem Sinne nicht per se ein würdeloser Akt. Es gibt Gründe für Saddams Opfer, genau hinzusehen. Der Unbeteiligte aber kann diese Gründe für sich nicht reklamieren. Er bleibt ein Voyeur mit nichts im Sinn als privaten Grusel."
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