"Europa braucht ein gemeinsames Forschungszentrum, unter dessen Dach viele Disziplinen versammelt sind. Forscher aus allen europäischen Ländern sollen hier für eine begrenzte Zeit an ihren Projekten ungestört arbeiten können." Diese Empfehlung überbrachte kein geringerer als Lotfi A. Zadeh, Professor für Informatik an der Universität von Kalifornien, am Rande der 20. European Conference on Modelling and Simulation (ECMS), die vom 28. bis 31. Mai 2006 an der Fachhochschule (FH) Bonn-Rhein-Sieg in Sankt Augustin stattfand.
Das Spektrum reicht dabei von der Verkehrsplanung über die Steuerung chemischer Prozesse bis hin zu der Planung von Managemententscheidungen.
Mithilfe spezieller Software können am Computer die Auswirkungen bereits kleiner Veränderungen auf komplexe Zusammenhänge modellhaft abgebildet werden. Simuliert werden die weltweiten Auswirkungen einer Klimaveränderung ebenso wie die des medizinischen Fortschritts auf wirtschaftliche Entwicklung und gesellschaftliche Strukturen.
Professor Andrzej Bargiela, als Vorsitzender der Society for Modelling and Simulation (SCS) Europe verantwortlich für die Konferenz, erklärte dazu: "Wir müssen Probleme in äußerst komplexen Zusammenhängen lösen. Unter den Bedingungen der Globalisierung, einer globalen Wirtschaft, weltweiter Umweltfragen und einer globale Gesellschaft hängt alles zusammen. Früher hat sich unser Denken auf das regionale Verstehen von Problemen beschränkt. Das reicht nicht mehr. Modellbildung und Simulation sind Werkzeuge, damit wir die veränderte Welt besser verstehen und steuern können." Aber auch hier brauche es neue Ansätze.
Human Centred Computation
Lotfi A. Zadeh, mit seinen 85 Jahren und über 30 Ehrendoktorwürden ausgezeichnet, setzt auf "Human Centered Computation". Dieser neue Ansatz in der Modellierungs- und Simulationsforschung ermögliche die Analyse von Informationen, die in natürlicher Sprache erfasst werden. Zentraler Unterschied zu bisherigen Verfahren ist die Abkehr von starren Methoden. "Menschliche Sprache enthält ungeheuer viele Informationen, die jedoch wenig präzise sind. Diese sind somit eher abstrakt, während das herkömmliche Computing nur formalisierte Informationen verarbeiten kann. Eine auf den Menschen zentrierte Datenverarbeitung erlaube es, solche Aufgaben zu lösen und mit noch größeren und komplexeren Problemen umzugehen.
So könnten z.B. wesentlich präzisere und umfassendere Prognosen möglich werden. Angefangen von der täglichen Stauwarnung über die Auswirkungen von Gesetzen auf den Arbeitsmarkt bis hin zur besseren Steuerung von Unternehmen: Alles am Computer simuliert.
Übrigens gab Zadeh seiner Vision auch einen Namen: EU Center for Advanced Research, Development and Education in Information Technology and Intelligent Systems.
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