In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Spektrum der Wissenschaft setzt sich ein Artikel mit der Intelligenz von Kolkraben auseinander. Kolkraben werden schon seit langem gerade von Verhaltensforschern beobachtet, vollbringen sie doch oft erstaunliches.
Nachfolgend ein Auszug des Artikels, mit freundlicher Genehmigung des Spektrum-Verlags:
"Kolkraben gehören zu den intelligentesten Tieren. Verhaltensforscher wissen das seit langem. Was die größten Singvögel wirklich können und wieweit ihr Verstand in Intelligenztests reicht, schildern die Ethologen Bernd Heinrich und Thomas Bugnyar in der Juli-Ausgabe von „Spektrum der Wissenschaft“.
Heinrich, der in den USA an der Universität von Vermont in Burlington tätig war, und Bugnyar, der unter anderem am Konrad-Lorenz-Institut bei Wien arbeitet, tüftelten jahrelang Versuche aus, um den klugen Vögeln auf die Schliche zu kommen. So wissen sie nun: Besonders Beeindruckendes leisten Kolkraben, wenn sie Futter vor Artgenossen verstecken. In der Wildnis, etwa in Nordamerika, fressen sie vorwiegend Aas. An das Fleisch von Kadavern gelangen sie aber am besten als größere Schar, denn sie haben Konkurrenz. Vor allem müssen sie Wölfe übervorteilen. So lernen sie denn auch – Heinrichs und Bugnyars Beobachtungen und Tests zufolge – schon in der Jugend, wie sie gute Brocken ergattern können.
Dann aber gilt es, die Fleischstücke schnell sicher voreinander zu verbergen. Da benutzen die Kolkraben verschiedene Tricks, bis hin zu Ablenkungsmanövern. Das Dumme ist nämlich: Raben beobachten einander beim Futterverstecken genauestens. Sie würden Verstecke anderer, die sie kennen, unverzüglich räubern. Und tatsächlich achten sie – ganz im Gegensatz etwa zu Wölfen – peinlichst darauf, dass ja kein Artgenosse zuguckt. Sobald sie argwöhnen, dass jemand das Versteck ahnt, holen sie die Beute wieder vor und verbergen sie woanders.
In einigen Versuchsserien in großen Volieren setzten die Forscher andere Raben hinter vergitterte Fenster, mal mit, mal ohne blickdichte Gardine davor, während ein Testvogel Leckerbissen erhielt, die er prompt versteckte. Offenbar beachtete dieses Tier genau, wer ihm zusah, und behielt das auch im Gedächtnis. Denn als die anderen Vögel anschließend in seine Voliere durften, benahm es sich gegenüber Augenzeugen völlig anders als gegenüber den Raben hinter die Gardine, die trotz aller Bemühungen nicht hatten zugucken können. Bei letzteren verhielt sich der Testrabe arglos, selbst wenn sie nahe bei einem seiner Verstecke herumstöberten. Doch tat das ein Zuschauer, ging der Versteckbesitzer gleich dazwischen. Oft hatte er die Futterbrocken allerdings vorher schon unverzüglich wieder hervorgeholt und suchte sie nun neu zu verstecken, während sich der Konkurrent gerade anderswo beschäftigte. Eine weitere erstaunliche Leistung: Zwei Raben, die jeder hinter einem Fenster sitzen, registrieren offenbar, ob der andere einen freien Blick auf den Vogel hat, der in der Voliere Beute versteckt. Sie benehmen sich entsprechend, wenn sie anschließend zusammen in das verheißungsvolle Gehege kommen. Nur wenn sie die Verstecke gesehen haben und der andere mutmaßlich auch, holen sie sich die Bissen so schnell wie möglich. Andernfalls trödelt ein kenntnisreicher Vogel lange woanders herum, besonders wenn der unwissende Konkurrent dominant über ihn ist. Heinrich und Bugnyar wiesen nach, dass Kolkraben auch in manchen anderen Situationen tatsächlich Logik anwenden. Sie sind die verspieltesten aller Vögel. Anscheinend begreifen sie, während sie herumhantieren und Situationen spielerisch ausprobieren, immer wieder neue Zusammenhänge. Dank ihrer herausragenden Intelligenz, so die Forscher, verbreiteten sich Kolkraben über die halbe Welt. Sie stellen die am weitesten verbreitete Vogelart dar." (Quelle: Spektrum der Wissenschaft)
Weitere Informationen unter: www.spektrum.de
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