Der Deutsche Städte- und Gemeindebund hat sich heute gegen eine Anerkennung von Computerspielen als Kunstbereich ausgesprochen und begründet dies damit, dass Killerspiele nichts in Kinderhänden verloren haben. So hinterlässt die Pressemitteilung einigermaßen Verwirrung und Erstaunen was hier miteinander verknüpft wird.
Bezug wird dabei auf eine Debatte des Deutschen Kulturrats genommen, der diskutiert ob Computerspiele nicht auch Kunst seien. Die Ursprungsdiskussion hatte der Kulturrat bereits im Februar angestoßen - der Städte- und Gemeindebund ist also reichlich spät dran.
Aufgescheucht wurde er wahrscheinlich durch die Meldung des Kulturrats von vorgestern (14.08.2007: Streitfall Computerspiele: Computerspiele zwischen kultureller Bildung, Kunstfreiheit und Jugendschutz
Der Städte- und Gemeindebund verkürzt die Diskussion in seiner Pressemitteilung allerdings derart, dass man den Eindruck bekommt diejenigen, die Computerspiele als Kunstform sehen sind auch diejenigen, die Killerspiele promoten.
Der nächste Kritikpunkt - die Anhäufung an platter Argumentation in der Meldung ist gekonnt:
"So genannte Killerspiele, Gewalt verherrlichende und Gewalt beherrschte Spiele, die ausschließlich Mord- und Gemetzelszenen beinhalten, haben in Kinderhänden nichts zu suchen und müssen verboten werden, erklärte das Geschäftsführende Präsidialmitglied des DStGB“, Dr. Gerd Landsberg, heute in Berlin." (Quelle: PM)
Das unsägliche Thema kocht immer wieder hoch und wird immer wieder wenig differenziert betrachtet, schlicht: Gewaltverherrlichung führt auch jetzt schon zum Verbot. Die immer wieder angedeutete Gesetzesverschärfung aus dem Bundesfamilienministerium will darüber hinaus gehen und "detaillierte Gewaltdarstellung" verbieten - was eine ganz andere Qualität ist.
Und wer den Mut hat in die Diskussion einzusteigen, muss sich sofort mit pädagogischen Themen auseinandersetzen: Führt das Anschauen von Gewaltdarstellung zu einer höheren Gewaltbereitschaft? Hier gibt es viele Positionen und Meinungen, endlose Studien und doch keine Gewissheit. Während die einen ewig Prof. Pfeiffer ins Rampenlicht holen, verweisen die anderen darauf, dass "Doom mir doch auch nicht geschadet hat".
Da kann man nicht mehr mit Parolen und plakativen Forderungen arbeiten und ehrlicherweise müsste man das Thema von den "Killerspielen" abkoppeln, denn dann geht es grundsätzlich um die Frage, welche Darstellungen wir unseren Kindern zumuten wollen - egal ob nun Spiel, Buch oder Fernsehen.
Aber so lange sich auch Journalisten bei jedem Amoklauf als erstes die Frage stellen, welches Computerspiel dort wohl gespielt wurde, ob sich in Counterstrike denn eine Karte der Schule finden lässt - bleibt die Debatte auch in den Medien unsäglich.
Dass der Städte- und Gemeindebund nun Kunstfreiheit gegen Jugendschutz ausspielen möchte, trägt seinen Teil zu einem endlosen Thema bei. In jedem Forum würde man nach einem Moderator rufen, der den Thread beendet (oder wenigstens mal gelbe Karten verteilt).
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