Der SPIEGEL schreibt aktuell in der Online-Rubrik unter der mächtigen
Schlagzeile "Behörden sind Tausenden Nutzern auf der Spur". Was zuerst
aufhorchen lässt, entpuppt sich beim näheren Lesen als lauwarmer
Kaffee, der etwas spät wieder aufgewärmt wird.
Immerhin gibt der Artikel freimütig zu, dass sich die Geschichte Anfang
September abspielte. Auch reticon berichtete damals. Ermittlern waren
mit Hilfe eines "Hackers" und Mitarbeitern der Zeitschrift c't ein
Schlag gegen das Internetangebot ftpwelt gelungen.
Also ersteinmal nichts neues, insbesondere, da c't in einem
ausführlichen und spannend zu lesenen Special über den Fall berichtete.
Der SPIEGEL schreibt jetzt, dass es den Fahndern gelungen ist, die
Adressdatei "zu knacken" und so nun tausende der Kunden des illegalen
Angebots von Verfahren bedroht seien.
Und auch diese Neuigkeit ist keine - die Kundenkartei war schon nach
kurzer Zeit frei in Tauschbörsen zugänglich. Offensichtlich wurde einer
der Server von ftpwelt kurz zuvor geknackt und die Daten
weiterverteilt.
Nun ja, aber es war eine schöne Schlagzeile, auch wenn der Artikel selbst von indirekten Zitaten nur so trieft.
Vielleicht kann man derartige auch als eine Antwort auf den Artikel des
SPIEGEL zum Thema "Wikinews" betrachten - auch im SPIEGEL ist nicht
immer das große Korrespondentennetzwerk unterwegs, sondern
Online-Medien funktionieren auch bei den Profis immer häufiger aus
Umschreiben, Wiederauflegen.
Trotzdem bleibt Spiegel-Online eines der am meisten gelesenen Angebote
im deutschen Web, wenn wir uns allerdings auch hier öfter einmal etwas
mehr Sorgfalt wünschen würden. Gerade das nachträgliche "Anpassen" von
Artikeln nach der Veröffentlichung kommt bei vielen Lesern nicht gut an.
Lesen Sie die Meldung selbst im SPIEGEL:
http://www.spiegel.de/netzwelt/politik/0,1518,332457,00.html
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