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Internet-Nobelpreis mit Aufholbedarf

Internet-Nobelpreis mit Aufholbedarf

17.08.2007, (MR)

Heute erreichte uns via Pressemitteilung die Nachricht, dass der deutsche Vorentscheid für die "World Summit Awards" entschieden sei. Der Preis hat prominente Unterstützung der UNESCO und ist "getragen von Technologiefirmen". Negroponte wird auf der Startseite zitiert, der den Preis als "Nobel Prize of Multimedia" bezeichnet. Der deutsche Webauftritt ist allerdings keinen Nobelpreis wert, sondern schlicht peinlich.

Ich war ehrlich geschockt über die Qualität der deutschen Webseite der Summit Awards - wir sind ja meistens lieb und nett auf reticon, aber wir sagen trotzdem auch immer gerne ehrlich unsere Meinung.

Über Begriffe kann man ja trefflich streiten und dass wir es für eine Untugend halten, alle Kategorien mit dem obligatorischen e- vorneweg zu betiteln, das mag noch Geschmackssache sein. Die Webseite insgesamt ist allerdings unfertig, es wimmelt von Rechtschreibfehlern, unübersetzten Seiten und einem dröge wirkenden Design.

Für die Webseite eines Wettbewerbs, der die weltbesten "E-Content-Seiten" prämieren möchte (zumindest den deutschen Vorentscheid organisiert) wirkt das statt professionell eher von Amateuren oder der Praktikantenabteilung erstellt (nichts gegen Praktikanten).

Obenstehend ein Screenshot (Markierungen von reticon) von der Startseite, der die Kategorien beschreibt. Das ist schludrig und sollte wirklich spätestens in der Endkontrolle auffallen - keine Angst, wir machen jetzt keine Rechtschreibkontrolle der Webseiten des "Nobel Prize of Multimedia".

Und an vielen Ecken hat es dann nicht dazu gereicht, die Vorgaben des internationalen Summit Awards zu übersetzen. Ob nun die Wettbewerbskategorien, die Bewertungskategorien oder die Regeln - übersetzt wurde jeweils nur die Überschrift.

So etwas wirkt nie gut, besonders wenn man mit einem derartigen Internetauftritt andere Webseiten beurteilen will, Kompetenz sieht anders aus.

Widersprüchliches findet sich dann in den Statements der Jury, das reicht von "Während im Bereich E-Government bereits ein ansprechendes Design, das Auffinden von Informationen und geringe Interaktion gefeiert werden können, strotzen die Einreichungen im Bereich E-Business vor neuen Ideen und Geschäftsmodellen." (Dr. Rainer Babiel) bis hin zu "Allerdings enttäuschend ist die mangelnde Qualität vieler eBusiness-Sites. Ich denke, hier hat die deutsche Wirtschaft in der Breite noch nicht die Kreativität erreicht, wie andere internationale Beispiele zeigen." (Burkhard Graßmann)
Wir sparen uns den Rest - neben der anscheinend obligatorisch mäßigen Orthografie in einigen Beiträgen fallen dann aber auch die Buzzwords "Unternehmensblogs", "virales Marketing", "Web 2.0".

Klickt man sich dann in die Gewinner 2007, eröffnen sich neue Fragezeichen. Nichts gegen Leo.org, das nutze ich selbst häufig als Wörterbuch - aber auf Platz 2 als E-Learning-Anwendung?

Schön auch die Gewinner in der gelobten (oder doch nicht so guten?) Kategorie e-Business: "In Bearbeitung".

Warum die FSM (Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia) Diensteanbieter in der Kategorie "e-Inclusion" den zweiten Platz macht, wir hoffen, dass es die Jury weiß.

Die Verwirrung komplett macht dann die "Longlist", d.h. die Kandidaten in den Kategorien. "Mr. Wong" in E-Learning, nur 6 Seiten in E-Government davon drei Subdomains aus NRW.de. Ein Profil ist da nur schwer zu erkennen, uns kam es wie ein Sammelsurium vor.

Warum der deutsche Wettbewerb nun so aussieht - unfertig, aus unserer Sicht schlecht gemacht. Eine PR-Kampagne für die beteiligten Unternehmen ist das nicht, erstaunlich, dass Partner wie die UNESCO, HP etc. ihre Logos platzieren. Allerdings macht der internationale Auftritt auch zugegeben ein deutlich besseres Bild.

Machen Sie sich selbst ein Bild: http://www.wsa-germany.de

 

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