Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift Gehirn&Geist beschäftigt sich u.a. mit dem Thema "Gehirnscans". Dazu schreibt in Gehirn&Geist der Mainzer Neurophilosoph Thomas Metzinger.
Nachfolgend ein Ausschnitt des Artikels mit freundlicher Genehmigung des Spektrum-Verlages:
"Im Gehirn des Terroristen - Neuroforscher testen Lügendetektor der
Zukunft
Per Hirnscans wollen US-Wissenschaftler das verborgene Wissen von
Terrorverdächtigen ausleuchten. Der Mainzer Neurophilosoph Thomas
Metzinger warnt in Gehirn&Geist vor dem Missbrauch der neuen Technik.
Moderne bildgebende Verfahren sind die Lügendetektoren des 21.
Jahrhunderts - das behaupten Forscher wie Lawrence Farwell von den
Brain Fingerprinting Laboratories in Seattle (USA). Denn da jede
Erfahrung einen neuronalen "Fingerabdruck" hinterlasse, verrieten
willentlich nicht unterdrückbare Hirnreaktionen auf präsentierte
Bilder oder andere Reize, was ein Mensch weiß und was nicht. Farwell
bietet seine Brain Fingerprinting genannte Technik bereits
US-Geheimdiensten an, um potenzielle Terroristen dingfest zu machen.
Der Neurophilosoph Thomas Metzinger von der Universität Mainz
kritisiert im Magazin Gehirn&Geist (3/2006) derartige Versuche von
Hirnforschern, Gedanken zu lesen. Zwar sei durchaus denkbar, dass
"neuroforensische Methoden" Aufschluss darüber geben, ob ein
Verdächtiger etwa ein Ausbildungscamp von Terroristen oder die
Bauanleitung für Sprengsätze schon einmal gesehen hat. Doch wie
verlässlich sind solche Techniken in der Praxis?
So ist nach Meinung vieler Forscher auch das Brain Fingerprinting
fehleranfällig - ebenso wie die bislang üblichen Lügendetektoren, die
Veränderungen des elektrischen Hautwiderstands messen: Hier werden
zum Beispiel heftige emotionale Reaktionen bisweilen als Lügen
fehlgedeutet. Andererseits könnten Schuldige ihr Wissen verschleiern,
indem sie sich gezielt ein aufregendes Ereignis vorstellen und so die
kritischen Hirnsignale selbst bei belanglosen Reizen provozieren.
Hinzu kommt ein ganz praktisches Problem: Bei Untersuchungen im
Computertomografen ist man auf die Kooperation des Verdächtigen
angewiesen - dieser muss nämlich längere Zeit bewegungslos in der
Röhre verharren.
Laut Metzinger dürfe man den Einsatz des Brain Fingerprinting
überhaupt nur dann in Erwägung ziehen, wenn die Methode 100prozentig
verlässlich wäre. Aber auch dann seien die wichtigen
politisch-moralischen Fragen noch lange nicht ausgeräumt: Welche
Folgen hätte es für unsere Gesellschaft, wenn der einzelne gegenüber
dem Staat
keine Geheimnisse mehr haben könnte? Gibt es analog zur
Unantastbarkeit der Privatsphäre nicht auch ein Recht auf
Bewusstseinsfrieden?
Thomas Metzinger diskutiert exklusiv in einer Gehirn&Geist-Serie die
philosophischen Konsequenzen der Hirnforschung. Denn: Die schöne neue
Neuro-Welt beginnt schon heute." (Quelle: Gehirn und Geist 03/2006)
Weitere Informationen erhalten Sie unter www.gehirn-und-geist.de
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