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Hirnforscher auf den Spuren der Psychoanalyse - Startschuss zum Freud-Jahr 2006

15.12.2005, (MR)

Das Jahr 2006 ist Siegmund Freud gewidmet. Er wäre am 06. Mai 2006. 150 Jahre alt geworden. Aus diesem Grund betrachten Forscher und Wissenschaftler in der Januar-Ausgabe der Zeitschrift Gehirn&Geist die Bedeutung von Siegmund Freud in der heutigen Arbeit.

Nachfolgend ein Auszug des Artikels mit freundlicher Genehmigung des Spektrum-Verlages:
"Am 6. Mai 2006 jährt sich der Geburtstag von Sigmund Freud zum 150. Mal. Aus diesem Anlass beleuchten renommierte Wissen­schaftler ver­schiedener Fachrichtungen exklusiv in der Zeitschrift Gehirn&Geist die Rolle der Freud'schen Seelenkunde in unserer Zeit. Mark Solms etwa, Mitbegründer der "Neuro-Psychoanalyse", sieht die Mechanik der Unbe­wussten durch die Erkenntnisse der moder­nen Hirnforschung bestätigt.
Freuds Lehre vom unbewussten Seelenleben war "harten" Naturwis­sen­schaftlern lange suspekt. Doch: "Psychoanalyse und Neurowis­senschaft müssen sich nicht widersprechen", sagt der britische Psy­chologe Mark Solms in der neuen Ausgabe von Gehirn&Geist (1-2/2006). So sind etwa bei Träumenden dieselben für das Lust­empfinden zuständigen Hirngebiete aktiv, die auch im Wachen unsere Handlungen antreiben. Trauminhalte stellen demnach keine zufälligen Nebenprodukte der neuronalen Verarbei­tung im Schlaf dar. Vielmehr spielen wir darin von unbewussten Wünschen und Ängsten motiviertes Verhalten durch - ganz so wie Freud dies einst postu­lierte.
Auch die Verdrängung unliebsamen Wissens bestätigen Solms zu­folge Studien an hirngeschädigten Patienten. Denn bei vielen Betroffenen wird die als bedrohlich empfundene Erkrankung aus dem Bewusstsein ausge­blendet. Folge: Die Patienten leugnen standhaft jede Beeinträchtigung, wie etwa die Lähmung einer Gliedmaße. Dieses häufig zu beobachtende Syn­drom - Mediziner sprechen von Anosognosie (lat. für "Nicht-Erkennen von Krankheit") - lässt sich in manchen Fällen einfach durch Ohrspülung kurz­zeitig beheben - und das verdrängte Wissen tritt wieder zutage.
Freud selbst glaubte zeitlebens, seine Theorie des Unbewussten werde sich eines Tages empirisch untermauern lassen. Dies scheint heute dank der Methoden der modernen Hirnforschung zumindest teilweise der Fall.
Doch auch Mark Solms räumt ein: "Selbst mit den besten bildgebenden Verfahren kann man keine Gedanken lesen - geschweige denn den Inhalt des Unbewussten." (Quelle: Gehirn&Geist 01/2006)

Weitere Informationen unter www.gehirn-und-geist.de

 

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