Die Hinrichtung Saddam Husseins wird von den Medien dankbar inszeniert, der Voyeurismus am Grauen macht kaum irgendwo halt. Der Informationswert der Bilder Saddams mit Seil um den Hals geht gegen Null, im Vordergrund steht der Grusel.
Da wird seitenlang über Killerspiele diskutiert und welche Bilder man sich in unserer Gesellschaft "gibt" und dann nimmt man an jeder anderen Ecke das Grauen dankbar entgegen. Inzwischen blenden fast alle großen Online-Medien neben dem Bildmaterial auch Videosequenzen ein.
Der Aufschrei derjenigen, die nach Emsdetten etc. begeistert auf "Killerspiele" zeigen und deren Verbot fordern, dieser Aufschrei bleibt hier aus. Immerhin ist das ja "die richtige Welt". Und so protestiert auf der einen Seite die Bundesregierung formell gegen die Todesstrafe auf der anderen Seite sind sich alle fein genug, die Hinrichtung in weiten Teilen zu zeigen. Dass diese nicht komplett gezeigt wird - das war dann wohl doch vielen zu heikel.
An manchen medienkritischen Ecken wird schon gemunkelt, dass der Zeitpunkt der Hinrichtung passend für die Ausstrahlung zur Primetime in den USA gewählt wurde. Schöne neue Medienwelt.
Und viele Medien machen einfach mit, egal ob Bild.de,Spiegel-Online, Reuters, Focus etcpp.
Gleichzeitig stellt sich natürlich die Frage, ob man die Bilder unter den Tisch kehren soll - wenn sie denn schon einmal verfügbar sind. Hier gab es staatliche Gewalt und die passenden Bilder dazu - an vielen Stellen fehlt unserer Gesellschaft ja gerade das richtige Bildmaterial (und oftmals ist Bildmaterial brutaler Aktionen schlich auch brutal, da es abbildet).
Was aus meiner Sicht fehlt ist eine ausgewogene Diskussion, wer sich schnell und bereitwillig auf gewalthaltige Bilder bei Computerspielen einschießt (und das in den seltensten Fällen auch begründen kann), der muss sich dann diesen Nachfragen stellen.
Aber nachher wird alles besser, dann startet das neue Jahr und alle können wunderbare Silvester-Feuerwerke zeigen.
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