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Harold Pinter: Kunst, Wahrheit & Politik

07.12.2005, (MR)

Die Lese-Empfehlung von reticon für den Abend: Der Nobelpreisträger für Literatur hat bei der Preisverleihung in seiner Rede mehr als deutliche Worte gefunden und die USA und deren Politik hart angegriffen.
Dankenswerterweise hat die Nobelstiftung die komplette Rede bereits in verschiedene Sprachen übersetzt und stellt diese im Internet zur Verfügung.
Zentrales Thema seiner Rede ist "Wahrheit", er beginnt seine Rede fast harmlos und analysiert Wahrheit als Element und Mittel in Theaterstücken. Wahrheit ist dort oft schwierig greifbar - trotzdem ist der Zuschauer auf der ständigen Suche danach.
Aber Harold Pinter hält sich - entgegen vieler Erwartungen - nicht lange damit auf, seine Rede wird zunehmend politischer und aktueller. Von der Irak-Politik über Aspekte der Außenpolitik der USA seit dem Zweiten Weltkrieg betreibt er eine Betrachtung von Wahrheit. Genauer gesagt weniger der Wahrheit als vielmehr der Lüge. Und so zerlegt er aus seiner Sicht die politischen Ereignisse der letzten Jahre und lässt dabei kein gutes Haar an der Politik der USA.
In seinem Schlussplädoyer versucht er eine Vision zu entwickeln und zeigt gleichzeitig aufklärerische Züge.
"Blicken wir in einen Spiegel, dann halten wir das Bild, das uns daraus entgegensieht, für akkurat. Aber bewegt man sich nur einen Millimeter, verändert sich das Bild. Wir sehen im Grunde eine endlose Reihe von Spiegelungen. Aber manchmal muss ein Schriftsteller den Spiegel zerschlagen – denn von der anderen Seite dieses Spiegels blickt uns die Wahrheit ins Auge.
Ich glaube, dass den existierenden, kolossalen Widrigkeiten zum Trotz die unerschrockene, unbeirrbare, heftige intellektuelle Entschlossenheit, als Bürger die wirkliche Wahrheit unseres Lebens und unserer Gesellschaften zu bestimmen, eine ausschlaggebende Verpflichtung darstellt, die uns allen zufällt. Sie ist in der Tat zwingend notwendig.
Wenn sich diese Entschlossenheit nicht in unserer politischen Vision verkörpert, bleiben wir bar jeder Hoffnung, das wiederherzustellen, was wir schon fast verloren haben – die Würde des Menschen." (Quelle: Harold Pinter, Rede 07. Dezember 2005, Übersetzung von Michael Walter)

Wir können die Lektüre der ganzen Rede nur empfehlen!

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