Der Integrationsbeauftragte der NRW-Landesregierung stellte kürzlich eine Broschüre vor, die "religiöse Besonderheiten der muslimischen Kinder" für Lehrer erklärt. Mithilfe dieser Handreichung sollen die Pädagogen "einen leichteren Zugang zu den Kindern und Jugendlichen" erhalten. Dazu wurden von zwei Wissenschaftlern zu Stichwörtern wie Kopftuch oder Schwimmunterricht praxisnahe Erläuterungen mit religiösen Hintergründen und Tipps zum Umgang in der Schule verfasst.
Unter dem Titel Herausforderung und Chancen in Bildungseinrichtungen.Grundinformationen zum Islam und Anregungen zum Umgang mit muslimischen Kinder, Jugendlichen und ihren Eltern gibt der Integrationsbeauftragte von NRW Thomas Kufen seit kurzem eine Handreichung heraus, die Lehrer beim Umgang mit Fragen zum Islam und zu muslimischen Traditionen unterstützen soll. Die 84 Seiten starke Brochüre wurde von Lamya Kaddor (Vertretungsprofessur für Islamische Religionspädagogik an der Universität Münster) und Jörgen Nieland (leitender Regierungsschuldirektor i.R., vorm. schulfachlicher Dezernent mit Schwerpunkt Religionsunterricht) verfasst und soll praxisnahe Tipps bei häufigen Fragestellungen im Schulalltag liefern.
Die spannende Kombination der beiden Autoren spiegelt die demographischen Realitäten von Nordrhein-Westfalen wider; mittlerweile hat dort ein Viertel der Bevölkerung "Zuwanderungsgeschichte". Insbesondere bei der Erziehung muslimischer Kinder werden konträre Auffassungen von Elternhaus und Schule schnell offenbar. Der Ratgeber soll helfen, "schwierige Situationen, in denen sich Kinder zwischen der religiösen Erziehung und der familiären Verbundenheit auf der einen Seite und der schulischen und gesellschaftlichen Realität auf der anderen Seite befinden, entschärfen und lösen."
Dabei steht das Autorenduo schon fast symbolisch für seine Hauptforderung nach einer Erziehungspartnerschaft von Elternhaus und Schule mit wechselseitiger Unterstützung und gemeinsamer Verantwortung für die Kinder. Der praktische Wert der Handreichung stammt vor allem aus der anwendungsnahen und stets gleichen Gliederung jedes thematischen Abschnitts: Es werden immer Lehre (Theologische Überlegungen), Tradition (praktische Umsetzung im Elternhaus), Umsetzung (Verhaltensweisen bei Jugendlichen), Anregungen und Fragen sowie mögliche Lösungsvorschläge erläutert. Die so beleuchteten Themen des Ratgebers sind u.a. Speisegebote und Fasten, Festtage und Alltagsgestaltung, Verständnis und Bedeutung der Familie, Geschlechterspezifisches Rollenverständnis, Kleidungsvorschriften und Sportunterricht.
Dabei reichen die angebotenen Anregungen und Lösungsvorschläge von Pragmatischem, wie der Abklärung geeigneter Verpflegung in Jugendherbergen oder dem Hinweis auf gestörte Konzentration im Fastenmonat, bis zu ausgefallenen Ideen wie komplett körperbedeckender Schwimmbekleidung und komplexen Themen wie dem Elterngespräch zur Koedukation. Erfrischend ist die Offenheit und Klarheit der Sprache und der Darstellung, die den Ratgeber zu einem nützlichen Hilfsmittel machen, der manche zunächst nicht offensichtliche Anregung gibt. Dabei beziehen die Autoren durchaus Position und raten z.B. von Sonderregelungen beim Besuch des Freitagsgebets ab und begründen dies nachvollziehbar.
Mein Fazit: Sehr interessant und wertvolle Lektüre mit großem praktischen Wert.
Ratgeber "Grundinformationen zum Islam..." als PDF zum Download




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Kommentarbereich
7 Kommentar(e) zu "Handreichung für Lehrer zum Umgang mit muslimischen Schülern"Sehr geehrte Frau Professor Kaddor, sehr geehrter Herr Nieland, beim ersten Überfliegen ihrer Handreichungen im Internet habe ich großes Interesse, die Broschüre in Ruhe zu lesen, erscheint mir doch ihre Darstellung profunde und einfühlsam und daher für nützlich für Lehrer, Erzieher und andere zu sein. Wäre es möglich, eine gedruckte Broschüre zu erwerben oder gibt es sie nur online? Über Informationen dazu wäre ich ihnen dankbar. Meine Adresse: [Adresse gelöscht] Mit freundlichen Grüßen Anke Schmidt
[update, JA]:
Für alle Interessierten hier die Kontaktdaten bei der Landesregierung, wo Sie die Brochüre beziehen können:
Thomas Kufen
Integrationsbeauftragter der Landesregierung Nordrhein-Westfalen
Dienstsitz:
Ministerium für Generationen, Familie, Frauen und Integration
des Landes NRW
Horionplatz 1
40213 Düsseldorf
Telefon (02 11) 86 18-33 36
Telefax (02 11) 86 185-33 36
E-Mail: thomas.kufen@mgffi.nrw.de
Internet: http://www.mgffi.nrw.de
Internet: http://www.thomas-kufen.de
07.02.2008 08:31
Sehr geehrte Frau Professor Kaddor, sehr geehrter Herr Nieland, besten Dank für Ihre interessante "Handreichung", ohne die wir Lehrer ja kaum wüßten, wie wir uns zu verhalten hätten. Gibt es eigentlich auch eine "Handreichung für muslimische Schüler zum Umgang mit Lehrerinnen und Lehrern"? Da scheint mir der "Handreichungs"-Bedarf doch wesentlich nötiger zu sein. Mit besten Grüßen, Christian Straimer
14.02.2008 14:47
Ich kann mich dem Herrn Straimer nur anschließen, nach dem Durchlesen bin ich doch sehr enttäuscht. Ich las viele Tipps, wie ich mich zu verändern habe, damit meine muslimischen Schüler sich integrieren können, aber keinen Ratschlag, wie die Mulsime ihren Integrationswillen darlegen können. Eine Handreichung für Muslime zum Umgang mit der Institution Schule und dem Erlernen der Landessprache erscheint mir nötiger als die Handreichung von Frau Prof. Kaddor und Herrn Nieland.
17.03.2008 14:01
Sehr geehrte Frau (Vertretungs-)Professorin Kaddor, der Münsterschen Zeitung vom 31.7.2008 entnehme ich die folgende Meldung: "Der ehemals am Centrum für religiöse Studien angestellten Wissenschaftlerin Lamya Kaddor wird laut Oberstaatsanwalt Wolfgang Schweer vorgeworfen, Forschungsgelder in Höhe von bis zu 100000 Euro veruntreut zu haben. Kaddor weist die Vowürfe zurück. Sie seien eine "perfide Strategie", um ihr zu schaden." Hm.
04.08.2008 21:47
Die Kommentare 2, 3 und vor allem 4 sind einfach "genial", "sachlich" und "geistreich". Warum schreiben Sie nicht was Sie eigentlich damit beabsichtigen? Noch eine Frage: Schreiben Sie dann eine Handreichung für muslimische Schüler anstatt andere Personen zu beschimpfen.
26.09.2008 13:07
Herr Iranee schreibt am 26.09.2008: Die Kommentare 2, 3 und vor allem 4 sind einfach "genial", "sachlich" und "geistreich". Warum schreiben Sie nicht was Sie eigentlich damit beabsichtigen? Noch eine Frage: Schreiben Sie dann eine Handreichung für muslimische Schüler anstatt andere Personen zu beschimpfen. ------------------------------------------- Hallo Herr Iranee, Sie bieten « interkulturelle Trainings für Arbeitnehmer an mit dem Ziel eines besseren Verständnisses der fremden Kultur« an. So steht‘s wenigstens auf Ihrer Homepage. Und das ist völlig in Ordnung: Wer als Deutscher arabische Geschäftspartner sucht, der muss sich vor allem auf die arabische Mentalität einstellen. Was soll also falsch daran sein, wenn man von den Moslems, die zu uns nach Deutschland gekommen sind, verlangt, dass sie vor allem die Kultur besser verstehen lernen, in die sie eingewandert sind? Die dubiose »Handreichnung« will aber genau das Gegenteil: Wir sollen uns gefälligst anpassen an "die religiösen Besonderheiten der muslimischen Kinder". --- an was bitte? An Kamel-Fatwas für den Landschulheim-Besuch, an Kopftücher für Neunjährige, an Dauer-Atteste für den Sport- und Schwimmunterricht, an Knaben, die sich von ihren Lehrerinnen partout nichts sagen lassen, weil sie Frauen sind? Und jetzt neuerdings an Gebetsräume in den Schulen? Können Sie mir übrigens erklären, warum es keine "Handreichungen" für polnische oder chinesische Schüler gibt? Keine für portugiesische, spanische, italienische, französische, russische, japanische oder gar bayrische Schüler und Schülerinnen?
03.10.2008 21:43
Sehr geehrte Frau Professor Kaddor, sehr geehrter Herr Nieland, leider kann ich die Handreichung nicht herunterladen, da die Seite wohl nicht mehr aktuell ist und bestellen kann man sie leider auch nicht mehr, da sie vergriffen ist. Können Sie mir vielleicht einen Hinweis geben, wie und wo ich die Handreichung bekommen kann? Vielen Dank und freundliche Grüße
25.01.2010 18:10
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