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Greylisting: Wo sind meine Spam-Mails?

27.01.2007, (MR)

An Spam-Mails haben wir uns inzwischen gewöhnt, die in radebrechendem Deutsch uns mit Dingen wie Sex, Viagra, Geldsegen aus Nigeria und dergleichen erfreuen. Plötzlich nur noch wenige zu haben, ist ein ganz ungewohntes E-Mail Erleben.

Die Zahl der Spam-Mails überschreitet seit längerem deutlich die Zahl der echten E-Mails. Gerade auf reticon ist das eine wirkliche Plage - unsere Mailadressen sind seit vielen Jahren im Netz bekannt, wurden in Newsgroups verwendet etcpp.. D.h. ich möchte ungern meine Mailadresse wechseln, sondern bin darauf angewiesen, irgendwie der Spam-Flut Herr zu werden ohne dass mich diese zusehr beeinträchtigt.
Seit längerer Zeit bestand das Konzept bei uns aus einer Kombination zwischen Server und Clientsoftware. Der Mailserver identifiziert Spams vorab und markiert diese. Als Client-Software kommt bei mir Thunderbird aus dem Hause Mozilla zum Einsatz. Dort ist ein Spamfilter integriert, der sich trainieren lässt und nach kurzer Zeit eine ziemlich hohe Erkennungsquote hat.

Trotzdem ist und bleibt Spam ein Ärgernis - ab und ab muss man den Spam-Ordner doch einmal durchschauen und bei mir kommen so ca. 150-200 Spams pro Tag herein.

Unser Provider hat jetzt auf eine neue Technik umgestellt: Greylisting heißt das Wunderwerk. Seit einigen Tagen ist das aktiv und hier tröpfeln nur noch so 2-3 Spams pro Tag herein.
Die erste Reaktion war natürlich - kann doch gar nicht sein, da ist sicher etwas kaputt. Waren doch Spams der sichere Garant dafür, dass E-Mail funktionierte. Dauernd machte es "pling" und die Zahl vor dem Spam-Ordner wuchs.

Doch was ist Greylisting?
Die meisten Spammer arbeiten mit sogenannten "Bot-Netzen", meist sind es infizierte Windows-Rechner, die mit Viren und Trojanern bestückt tausende von Mails absetzen. Meist funktioniert dies nach der Methode "Shoot and forget" - abertausende Mails werden verschickt, ob diese aber ankommen, ob das Postfach überhaupt existiert - das ist nicht von großem Interesse.

Darin unterscheidet sich der Spammer dann von einem friedlichen Mailserver. Geht der erste Zustellversuch schief, versucht dieser es brav ein weiteres Mal, er tritt in eine Kommunikation mit unserem Mailserver.

Greylist heißt nun, dass unser Mailserver Mails grundsätzlich erst einmal zurückweist (parallel notiert er sich, was er zurückgewiesen hat). Klingt paradox, denn so kommt erst einmal keine Mail durch, (Spam zwar auch nicht). Nach einigen Minuten probiert es ein "normaler Mailserver" jedoch noch einmal. Dank der Notiz über den ersten Zustellungsversuch wird diese Mail nun durchgelassen (auch in der Zukunft erfolgt die Zustellung von dort dann direkt).
Gleichzeitig können Whitelists und Blacklists organisiert werden.

Vorteile
Es kommen momentan wirklich kaum Spams durch, bisher gingen keine Mails verloren. Aus meiner Sicht sieht das ganze sehr vielversprechend aus.

Nachteile
Bekommt man von einer Adresse zum ersten Mal elektronische Post - dauert die Zustellung 5-10 Minuten, es sei denn man trägt den sendenden Server/IP-Adresse von Hand in die White-List. Der Zeitverzug ist aber zu verschmerzen, man sollte ihn nur im Kopf haben.

Greylisting wird wahrscheinlich nur so lange funktionieren, bis es genügend Admins einsetzen und die Spammer darauf reagieren. Bis dahin ist es aber eine sehr wirkungsvolle Methode.

Zahlen
Unser Provider (Blue Star Software, Roger Sennert) hat die ersten Tage mit Greylisting einmal ausgewertet: 30.000 Mails gingen auf unserem Server ein (da liegt natürlich noch mehr als nur reticon.de). Davon 1.300 echte Mails, der ganze Rest waren 28.700 Spams - die dank Greylist in keinem Postfach/Spamfilter landeten.

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