Eine kleine Geschichte aus dem Medienalltag, die zeigt wie sich Google allmählich von einem dynamischen Startup zu einem schwerfälligen Tanker entwickelt. 2006 entwickelt Google die Erweiterung "Browsersync" für den Firefox - aktuell kann man schön sehen, wie sich Google als Tanker verhält.
Browsersync ist ein Tool, das es ermöglicht Bookmarks (und Sessions, Passwörter etc.) über mehrere Rechner hinweg synchron zu halten. Die Daten werden jeweils verschlüsselt und bei Google geparkt, jeder Rechner gleicht sich mit dem Google-Datenspeicher ab und so ist es möglich auf dem Notebook, dem Bürorechner und dem heimischen PC immer die gleichen Bookmarks zu haben.
Eigentlich eine wunderbare Sache und so erfreut sich das Tool großer Beliebtheit. Soweit zum dynamischen Startup, das die Community mit schönen Erweiterungen versorgt.
Seit 2006 hat Google an dem Tool nichts mehr getan - was soweit auch nicht notwendig war, da es funktionierte. Doch mit der Entwicklung von Firefox 3 ändert sich einiges "unter der Haube" des Browsers, u.a. auch die Ablage von Bookmarks und so funktioniert Googles Browsersync dort einfach nicht mehr.
Bei einem dynamischen Startup würde man vermuten, dass hier schnell nachgelegt wird - doch Google hat inzwischen weltweit über 12.000 Mitarbeiter und ändert erst einmal nichts. Doch Google betreibt eigene (Support-)Gruppen rund um die Erweiterungen. Und dort treffen sich inzwischen jede Menge "verzweifelte" Nutzer. Es gibt endlose Threads mit immer ähnlichen Betreffs a la "Please Googe, we need an update". Der längste Thread umfasst inzwischen über 80 Beiträge - nur ein Thema "Bitte Google, aktualisiere Browser-Sync".
Doch wie man es von einem Tanker erwartet - Google äußert sich einfach gar nicht. Weder ein "wir werden das in Angriff nehmen" noch ein "Support eingestellt".
Der schönste Beitrag zeigt die Veränderung in "der Community" gegenüber Google:
"@GoogleDevs: Upgrade the plugin or post the code. You're getting as lazy as Microsoft is." (Quelle: Google Groups)
Nachdem inzwischen sogar der erste Release-Candidate von Firefox 3 erschienen ist - wäre es eigentlich Zeit für Google etwas zu tun, aber man ist ja kein Startup mehr.
Einige Nutzer wechseln inzwischen zur Konkurrenz: Mozilla versucht mit "Weave" einen ähnlichen Dienst zu etablieren - doch dieser ist noch in einer sehr frühen "beta-Phase".
Und so bleibt als Fazit - kostenlose Tools sind toll, doch man begibt sich schnell in eine Abhängigkeit, die im Zweifel in die Sackgasse führt, wenn der "Hersteller" das Tool nicht mehr unterstützt.
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