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Gemeinsam gegen Softwarepatente!

04.05.2004, ()

Nachfolgend zitieren wir die:
*Gemeinsame Position der Free Software Foundation Europe e.V. und des Fördervereins für eine Freie Informationelle Infrastruktur e.V. *

Softwarepatente sollen künftig nach dem Willen des EU-Ministerrats Ideen schützen. Das bedeutet, dass nicht nur Verfahren patentiert werden können, sondern auch das Ergebnis. Somit wären auch andere Lösungswege mit gleichem Ergebnis von einem derartigen Patent bedroht. Dadurch können beliebige und beliebig viele Softwareideen zu intelellektuellen Sperrgebieten erklaert werden: Dazu muss die Lösung noch nicht einmal vorliegen: Die Idee genuegt! Bereits heute fördert die Patentdiskussion seltsame Stilblueten zu tage: Der Buchhändler Amazon hat seine "1-Click-Technik", mit der registrierte Benutzer mit nur einem Mausklick eine Bestellung aufgeben koennen auch in Europa zum Patent angemeldet. Das Patent auf den "Fortschrittsbalken" von Installationsprogrammen ist bereits erteilt.

In einem Brief [4] an die EU-Kommission vom November letzten Jahres haben sich die Vorstandsvorsitzenden von Alcatel, Ericsson, Nokia und Siemens vehement für Softwarepatente ausgesprochen. So könnte man meinen, dass zumindest Grosskonzerne von Softwarepatenten profitiere könnten: Kleine Wettbewerber koennen schnell verdraengt werden und mit den anderen Grossen kann man "querlizensieren": "Wenn ich tausend von deinen Patenten nutzen darf, darfst du tausend von meinen nutzen". Dieser Eindruck ist allerdings trügerisch: Beispielsweise ist die IP-Telefonie in technischer Hinsicht ein komplexes Geflecht unterschiedlicher Kompressionsverfahren - oder besser: unterschiedlicher patententierter Ideen. In den Märkten, in denen Softwarepatente eine gesetzliche Grundlage bekommen, hat die IP-Telefonie nach Meinung von Professor Henning Schulzrinne von der US-Amerikanischen Columbia University keine Chance. Er sieht dann nur eine Möglichkeit: Etwa 17 Jahre warten, bis die Patente ausgelaufen sind [5]. Die genannten Vorstandsvorsitzenden leisten ihren eigenen Unternehmen einen Bärendienst - denn schliesslich würden Telekomausrüster ja den Löwenanteil des Umsatzes einheimsen, den die Marktforschungsgesellschaft Gartner bis 2007 auf 3,6 Milliarden Euro [6] schätzt.

Wie aber ist es möglich, dass vier Weltkonzerne eine so kurzfristige Politik betreiben? Des Rätsels Lösung ist simpel: Sie vertrauen auf die "falschen Freunde" - ihren Patentabteilungen, Patentanwälten, Patentfachleuten in Kammern und Verbänden. Allein in München gibt es 700 niedergelassene Vertreter [7] + [8] dieser Profession - kein Wunder also, dass sich die Patentanwaltkammer sich in einer 12-seitigen Stellungnahme [9] für Softwarepatente ausspricht.

Wissenschaftlich bestätigt wurden die Auswirkungen des Krebsgeschwürs "Patentunwesen" vom US-amerikanischen "Massachusetts Institute of Technology". Das hat in einer Studie im Jahr 2003 festgestellt [10], dass Unternehmen umso weniger in Forschung und Entwicklung investieren, je mehr Softwarepatente sie halten. Was passiert nun in Staat, Gesellschaft und Wirtschaft insgesamt, wenn diese Entwicklungen nicht gestoppt werden? Wir verbieten den Menschen, kreativ zu sein. Wir überlassen die gesellschaftliche Entwicklung den Bürokraten, die uns auf Schritt und Tritt zu ihrem eigenen Vorteil gängeln wollen. Der Tschechische Präsident Vaclav Klaus formuliert es im Handelsblatt vom 27.4.2004 so: "Die EU besteht nicht aus Freiheit und Offenheit, sondern aus Bürokratisierung, Dirigismus, Regulierung und Harmonisierung." Wir müssen alles tun, um diesen Eindruck zu widerlegen. Wir können diese Diskussion also nicht weiterhin anderen überlassen, die nur behaupten, unsere Anliegen zu vertreten.

[1] www.fsfeurope.org
[2] www.ffii.org
[3] http://kwiki.ffii.org/SwpDemo0405En
[4] http://swpat.ffii.org/news/03/telcos1107/index.en.html
[5] http://swpat.ffii.org/patente/wirkungen/voip/index.de.html
[6] http://www.computerwoche.de/index.cfm?pageid=254&artid=54004&main_id=54004&category=8&currpage=2&type=detail&kw=Marktvolumen
[7] http://www.patentanwaltskammer.de/cgi-bin/find_map.cgi?key=80
[8] http://www.patentanwaltskammer.de/cgi-bin/find_map.cgi?key=81
[9] http://www.patentanwaltskammer.de/aktuell/040318_6_03_Zur_Sache_3.pdf
[10] http://swpat.ffii.org/papers/bessenhunt03/index.en.html

 

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