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Gehirn&Geist: Lügenfahndung per Gehirnscan

30.06.2008, (MR)

Den Lügendetektor kennen wir alle aus diversen amerikanischen Filmen - Gehirn&Geist berichtet in der aktuellen Ausgabe (7-8/2008) über die nächste Stufe bei der Frage "Wahrheit oder Lüge". Wissenschaftler arbeiten aktuell mit "Gehirnscans" an dieser Fragestellung.

Nachfolgend ein Auszug des Artikels mit freundlicher Genehmigung des Spektrum-Verlags:

"

Der klassische Lügendetektor – auch »Polygraf« genannt – misst Hautleitfähigkeit, Atem- und Herzfrequenz, um daraus Anzeichen für Täuschungsmanöver eines Befragten zu gewinnen. Die Resultate galten bislang jedoch als zu wenig verlässlich, um vor Gericht eingesetzt zu werden.
Bildgebende Verfahren, die bestimmte Hirnsignale von Personen etwa beim Betrachten von Bildern registrieren, könnten dies bald ändern: Laut neuer Studien kann die Aktivität des Frontalhirns in speziellen Tests auf das Verleugnen einer Tat hindeuten – und Fahndern helfen, dem Täter auf die Spur zu kommen. Das schildert der Experte für Lugendetektion Matthias Gamer vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf in der aktuellen Ausgabe von »Gehirn&Geist« (7-8/2008).

Der Forscher und sein Team baten 14 Freiwillige, den Inhalt eines Briefumschlags vor dem Versuchsleiter zu verheimlichen. Präsentierte man den Testkandidaten zuvor im Umschlag befindliche Gegenstände – zum Beispiel eine Spielkarte oder einen Geldschein – stieg die Aktivität in bestimmten Regionen des Frontalhirns an. Damit bestätigt Gamer ähnliche Befunde von US-Forschern: Das Verheimlichen von Wissen erfordert zusätzliche Aufmerksamkeit, weil die Erinnerung verborgen werden muss.

Zwar vermöge keine Methode derzeit mit hundertprozentiger Sicherheit einen Schuldigen zu identifizieren, so der Psychologe. Dafür fielen auch die verräterischen Hirnsignale beim Lügen zu unspezifisch aus. Dennoch könnten bildgebende Verfahren in manchen Kriminalfällen wichtige zusätzliche Hinweise auf Täterwissen liefern.

Juristen geben allerdings zu bedenken: Selbst wenn es möglich wäre, die unbewussten Lügensignale des Gehirns auszuleuchten, könnten solche Daten nicht vor Gericht berücksichtigt werden. Denn dies verstoße gegen die Persönlichkeitsrechte des Verdächtigen.

Ebenfalls in »Gehirn&Geist« diskutiert der Neuroethiker Stephan Schleim von der Universität Bonn die grundsätzlichen Auswirkungen der modernen Hirnforschung für das Strafrecht. Danach stehen Juristen zunehmend unter Druck – nicht nur, was den Einsatz moderner Bildgebung vor Gericht angeht, sondern auch in Sachen Prävention und Schuldfähigkeit. Wenn etwa Annormalitäten im Gehirn zu gewalttätigem oder delinquentem Verhalten führten, müsste das Prinzip der Abschreckung und Strafe neu überdacht werden. Allerdings erlaubten es die bisher vorliegenden Forschungsbefunden bei weitem nicht, ein konkretes Verhalten vorherzusagen. Denn selbst wenn ein anfänglicher Impuls zu einer Gewalttat bestünde, bliebe dem Betreffenden immer noch die Möglichkeit, sie zu unterlassen.

Gehirn&Geist ist das Magazin für Psychologie und Hirnforschung aus dem Verlag Spektrum der Wissenschaft in Heidelberg.

Literaturtipp Gamer, M. et al.: Covariations among fMRI, skin conductance and behavioral data during processing of concealed information. Human Brain Mapping, 28, S. 1287-1301, 2007.

www.luegendetektion.de Die Forscher an der Universität Mainz über Theorie und Praxis der Lügendetektion" (Quelle: Gehirn&Geist, 7-8/2008)

Weitere Informationen unter: www.gehirn-und-geist.de

 

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