Die aktuelle Ausgabe Gehirn&Geist 12/2007 setzt sich in einem Artikel mit Dyskalkulie und möglichen Hilfen bei einer Rechenschwäche auseinander. Auch hier gilt: Je früher das Problem erkannt wird, desto größer sind die Chancen, es in den Griff zu bekommen.
Nachfolgend ein Auszug des Artikels mit freundlicher Genehmigung des Spektrum-Verlags:
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Menschen mit Rechenschwäche haben nie richtig verstanden, wie sich Zahlen zusammensetzen, wie der Zahlenraum aufgebaut ist und in welche Bestandteile er zerlegt werden kann. Deshalb vermeiden sie möglichst jede Konfrontation mit Summen und Mengen und bezahlen deshalb an der Supermarktkasse zum Beispiel immer mit EC-Karte.
Allerdings: Dyskalkulie hat nichts mit mangelnder Intelligenz zu tun! Viele Rechenschwache meistern trotz bestehender Probleme in Mathematik die Schule und schließen häufig sogar eine Berufsausbildung ab. Wer einmal das schriftliche Rechnen verinnerlicht hat, kommt nämlich auch ohne Einsicht ins Dezimalsystem oft zum richtigen Ergebnis! Langfristig bleibt eine Rechenschwäche jedoch nicht ohne Folgen: In einer aktuellen Studie der London University war jeder zweite Mann mit auffällig schwachen Rechenleistungen zu Schulzeiten mit Mitte 30 arbeitslos.
Auf der Suche nach den Ursachen der Dyskalkulie untersuchte der Züricher Psychiater Michael von Aster mittels bildgebender Verfahren die Gehirne von Kindern und Erwachsenen mit und ohne Störung. Wie er in Gehirn&Geist berichtet, scheint neben den „Rechenzentren“ in parietalen Hirnregionen besonders das Stirnhirn eine entscheidende Rolle für unsere Rechenfähigkeit zu spielen. Es ist unter anderem für die Steuerung der Aufmerksamkeit und für das Arbeitsgedächtnis wichtig. Bei normaler Entwicklung entsteht etwa in der zweiten Klasse eine Vorstellung des Zahlenraums, deren Ausbildung mit Hilfe neuropsychologischer Tests auch überprüft werden kann. Frühkindliche Einflüsse wie Stress oder Angst können die Reifung dieser Hirnregion behindern und so Dyskalkulie fördern.
Daneben gibt es viele andere Risikofaktoren: So tragen Kinder mit Sprachentwicklungsstörung oder auch mehrsprachig erzogene Kinder ein höheres Risiko für eine Rechenschwäche. Grundsätzlich aber gilt: Mit therapeutischer Unterstützung läßt sich das Mengenverständnis stärken. Je früher damit begonnen wird, umso besser!
Einrichtungen wie das Zentrum zur Therapie der Rechenschwäche (ZTR) in Berlin helfen Betroffenen dabei, das Rechnen von Grund auf neu zu erlernen. Für Erwachsene ein mühsamer Prozess – und ein kostspieliger, denn weder Krankenkassen noch Arbeitsamt unterstützen Dyskalkuliker, die bereits eine Berufsausbildung abgeschlossen haben." (Quelle: Gehirn&Geist, 12/2007)
Weitere Informationen unter: www.gehirn-und-geist.de
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