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Logo der Zeitschrift Gehirn und Geist (Schriftzug)

Gehirn und Geist: Entspannt im Hier und Jetzt

03.12.2006, (MR)

In der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Gehirn&Geist (12/2006) beschäftigt sich ein Artikel mit sogenannten "Achtsamkeitsbasierten Verfahren". Diese erhalten nach und nach Einzug in das Programm von Therapeuten.
Nachfolgender Artikel mit freundlicher Genehmigung des Spektrum-Verlages:

Ein neuer Trend erobert deutsche Therapeutenpraxen: Achtsam­keitsbasierte Verfahren integrieren fernöstliche Meditationstech­niken in die psychologische und psychosomatische Behand­lung. Klinische Studien bestätigen: Das hilft Patienten, Stress, Schmerzen oder Depressionen zu überwinden.

Achtsamkeit bedeutet, sich voll und ganz auf den Moment zu kon­zentrieren und den eigenen Empfindungen nachzuspüren, ohne sie zu bewerten. Mit einiger Übung verhilft dieses geistige Versenken im Hier und Jetzt vielen Menschen zu mehr Offenheit und Akzeptanz - was sich
in medizinischen Untersuchungen als wirksam erwies. Be­sonders Patenten mit Stress-Symptomen, chronischen Schmerzen oder Depressionen könnten davon profitieren. Das berichtet die Zeit­schrift
"Gehirn&Geist" in ihrer Dezember-Ausgabe (12/2006).

Der Psychologe Johannes Michalak von der Ruhr-Universität Bochum sieht das Besondere der neuen Verfahren in der Abkehr vom "notori­schen Verändern-Wollen". Ohne buddhistisch-spirituellen Überbau übe man im Achtsamkeitstraining, die eigenen Gedanken und Ge­fühle so hinzunehmen, wie sie sind. Dies machte sich erstmals 1979 der US-Mediziner Jon Kabat-Zinn von der University of Massachus­setts
zunutze, als er ein Acht-Wochen-Programm zur "Achtsamkeits­basierten Stressbewältigung" entwickelte (Mindfulness-based Stress Reduction, kurz: MBSR).

Vorher-Nacher-Tests zeigten ein gesteigertes Wohlbefinden und Lin­derung der Symptome etwa bei Patienten mit Schlaf- oder Angststö­rungen, bei psychosomatischen Beschwerden und depressiver
Ver­stimmung. Forscher wie Michalak vermuten, dass Achtsamkeit die Fähigkeit der Betroffenen stärke, sich emotional von negativen Be­wertungen zu lösen. Denn häufig machen die Belastungen des All­tags
erst dadurch krank, dass wir uns ihnen nicht gewachsen fühlen: "Ich schaffe das nicht" oder "Ich muss unbedingt etwas ändern - aber kann es nicht" sind typische Reaktionen. Hier kann Achtsamkeit Ab­hilfe
schaffen.

Dafür sprechen auch Untersuchungen der Hirnaktivität von Meditie­renden mittels bildgebender Verfahren. Demnach bewirkt Meditation eine auffällige Aktivitätszunahme im Stirnhirn, das für
konzentrative Aufgaben, aber auch für die Kontrolle von Handlungen und Emotio­nen zuständig ist.

In Kombination mit der kognitiven Gesprächstherapie setzten briti­schen Psychologen Achtsamkeit auch erfolgreich zur Rückfallpro­phylaxe bei schwer Depressiven ein. Die Übungen reduzierten vor allem den Hang zum Grübeln und bohrenden Selbstzweifeln, die häufig eine negative Gefühlsspirale in Gang
setzen, so Mark Williams von der Oxford University. Die ersten viel versprechenden Ergebnisse sollen nun in weiteren Studien mit zufällig ausgewählten Patienten- und Kontrollgruppen überprüft werden." (Quelle: Gehirn&Geist, 12/2006)


Weitere Informationen unter www.gehirn-und-geist.de

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