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Gefühlsbombardement der Medien verändert die Psyche

22.09.2005, (MR)

Die aktuelle Ausgabe von "Gehirn&Geist" (10/2005) berichtet über die Auswirkungen von Massenmedien (Fernsehen, Internet und Computerspiele) auf die Persönlichkeit
Persönlichkeit der Zuschauer und User.

Kommentar
In der Print-Ausgabe von Gehirn und Geist widmen sich zwei Artikel dem Thema. Die Autorin Sabine Kersebaum schreibt über die neue Spezies "Histrio" und der Hang des Zuschauers auch "prominent" sein zu wollen.
Der zweite Artikel ist ein Interview mit Prof. Christian Pfeiffer. Herr Pfeiffer ist inzwischen im Feld der "Medienwirkungsforschung" bekannt und umstritten. Stets mit markanten Thesen weiß er zu polarisieren - so erklärt sich manch harte Diskussion mit den Vertretern des Games-Bereich. In dem Interview kommt die kritische Komponente leider nur selten zum Tragen.

Nachfolgend geben wir einen Ausschnitt des Artikels wieder - mit freundlicher Genehmigung des Spektrum-Verlages.
"Wie die aktuelle Ausgabe von "Gehirn&Geist" (10/2005) berichtet, sieht
der Psychologe Winterhoff-Spurk von der Universität des Saarlands in
den westlichen Gesellschaften einen neuen Sozialcharakter im Entstehen
- den "Histrio". Besondere Kennzeichen: überbordende Emotionalität und
ein Hang zur Selbstdarstellung, wie er im Fernsehen vorgelebt wird.
Das Motto "Jeder ist ein Star!" übertrage sich zunehmend aus der
virtuellen Medienwelt in den Alltag.

Dass TV-Prominente vor allem für Teenager immer stärkere
Vorbildfunk­tion übernehmen, bestätigte eine Studie von Jürgen
Zinnecker von der Universität Siegen. Demnach beziehen heutige
Jungendliche rund 60 Prozent ihrer Idole aus den elektronischen
Medien.

Im Gehirn&Geist-Interview erläutert Professor Christian Pfeiffer,
Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachen, warum zu
viel Fern­sehen und Computerspielen der Entwicklung von Kindern und
Jugend­lichen schade. Jüngst veröffentlichte Längsschnittstudien
zeigten, dass Vielgucker in der Schule häufig schlechter abschneiden.
Mit der sozialen Schicht oder dem Bildungsstand der Eltern allein
könne dies nicht erklärt werden. Vielmehr behindere die Flut emotional
aufrührender Bilder offen­bar das Abspeichern von Lerninhalten.

In einer Studie mit 1200 Berliner Grundschülern wollen Pfeiffer und
seine Mitarbeiter nun prüfen, ob eine gezielte Medienaufklärung nicht
nur den Fernseh- und Videospielkonsum der Kids reduziert, sondern auch
deren körperliches und psychisches Befinden sowie die Schulleistungen
verbes­sert.

Das "Gefühlsbiotop" Internet ist dagegen besser als sein Ruf: Laut der
Medienpsychologin Nicola Döring sind im Netz geknüpfte
zwischen­menschlichen Beziehungen recht stabil. Auch würde die Gefahr
der Internetsucht und Vereinsamung häufig überbewertet, denn selbst
passio­nierte Computerspieler schätzen den sozialen Zusammenhalt in
der Gruppe. Psychologische Risiken laueren wohl eher in Chatrooms und
Partnerbörsen: Hier präsentierten User häufig Personenprofile, die mit
der Realität wenig gemein haben und daher andere täuschen - und enttäuschen."
(Quelle: Gehirn & Geist 10/2005)

Weitere Informationen auch im Internet unter: www.gehirn-und-geist.de

 

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